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Plötzlich Bock

Wie viele Rapper braucht man, um über ein Vierteljahrhundert Deutsch-Rap-Geschichte überzeugend auf die Bühne zu bringen? Einen Dendemann! Denn der hat mit einem halben Jahrhundert auf dem Buckel und einem ledernen Fischerhut auf dem Kopf immer noch Luft und Reime für drei. “Doch immer noch scheint derbe ungewiss/ Wer auf Deutschlands Bühnen die Pferdelunge ist”, rappt er 2006 im Song “Inhalation” und heute im FZW, wo das niemand infrage stellt. Dende braucht keinen Support, keinen Backup-Rapper, keine aufwendige Bühnenshow, keine Band und kein Autotune, um sein Publikum für rund zwei Stunden im Griff zu haben. Nur ein großes Backdrop mit Schriftzug, ein Mikrofon, ein DJ-Pult mit erleuchteter Front, einen wendigen DJ Cutrock und diese charakteristische Reibeisenstimme, die Songs von 1998 bis heute rappt.

Dendemann, Dortmund (Foto: Lea Franke)
Jede Dendemann-Tour fühlt sich an wie ein Comeback (Foto: Lea Franke)

Er habe plötzlich Bock gehabt, alles auf null zu stellen und uralte Kamellen auszupacken, erklärt er seine Motivation zur “Unterwegs”-Tour, die sich wie jede Dendemann-Tour und -Platte ein bisschen wie ein Comeback anfühlt. Dabei war der in Menden aufgewachsene Rapper, dessen Familie heute auch zu Gast ist, nie weg. Er veröffentlichte in über 20 Jahren aber nur drei Alben und war für zwei Jahre Teil der Showband in Jan Böhmermanns “Neo Magazin Royale”. Ein viertes Album hat er bislang nicht angekündigt, wann es folgt, ist nicht klar. Vor der Tour erschien einzig der neue Song “Gedanken, gut”, die Setlist setzt sich dementsprechend wie ein Live-Mixtape aus Dendemann-Songs (vor allem von den Alben “Da nich für!” und “Die Pfütze des Eisbergs”) und Eins-Zwo-Tracks, aus Remixen und B-Seiten zusammen, zum Teil assoziativ. So folgt etwa “Menschine” auf “0 Robota” oder “Alle Jubilare wieder” während der Zugabe auf das neue “Gedanken, gut”. Ersterer hat auf dem Album “Da nich für!” ein Casper-Feature, während letzterer den Casper-Song “Verdammt nah dran (Supermänner)” sampelt, in dem dieser 2008 über Dendemann rappt “Dende, das Idol, es geht sehr, sehr gut” und sich damit natürlich auf den Eins-Zwo-Hit “Danke, gut” bezieht.

Dendemann, Dortmund (Foto: Lea Franke)
Seine Eltern sind auch im Publikum – schließlich kommt Dendemann aus der Nähe von Dortmund (Foto: Lea Franke)

Der Song eröffnet heute den Eins-Zwo-Viererpack vor der Zugabe, gefolgt von “Liebes Logbuch” und “Ich so, er so” von der 1998 veröffentlichten “Sport”-EP sowie dem gefeierten Smasher “Hand auf’s Herz”. Deutsche HipHop-Geschichte, die viele Zuschauer:innen noch mitrappen können. Vor der Zugabe gönnt Dendemann sich eine zweite Verschnaufpause. Für die erste hatte er sich einen Stuhl auf die Bühne tragen lassen, um im Sitzen den unveröffentlichten Song “Mindstream” zu rappen, der es damals nicht auf “Da nich für!” geschafft hätte. Weitere Besonderheiten sind unter anderem der Beginner-Cover-Mix aus “Ahnma”- und “So schön”-Parts, das 2006 nur als Download veröffentlichte “Nummer 7” und der Track “Siebenschläfer”, den Dendemann 2002 auf dem Roey-Marquis-II.-Album “Herzessenz” rappt. Es gibt also reichlich Reminiszenzen an Deutsch-Rap und sogar an den Bruce-&-Bongo-Song “Geil” am Ende von “Das erste Mal”.

Dendemann, Dortmund (Foto: Lea Franke)
Dendemann ist “unterrascht”: Fast alle im Publikum sind Ü30. (Foto: Lea Franke)

Bei dem hohen Durchschnittsalter des Publikums kann man das durchaus machen. Auf Dendemanns Abfrage nach U-30-Anwesenden landen nicht gerade viele Hände in der Höhe, anders sieht das bei den vielen Hits und Hooks aus. Dendemann ist trotzdem “unterrascht” und spielt gekonnt sympathisch mit seiner typischen Langsamkeit, als er über die letzte Tour spricht, die sechs Jahre zurückliegt: “War ja auch noch Corona zwischendurch – darf man nicht vergessen!” Die Liebe zum HipHop hat er über all die Jahre offensichtlich nicht verloren.

»Ein bisschen überrascht«

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Am 30. August und 31. August fand der Vorverkauf für den UK/Irland-Teil der Oasis-Reunion-Tour statt und sorgte – wie eigentlich zu erwarten war – für einen massiven Ansturm auf Tickets und somit auf Ticketmaster. Es folgten endlose Warteschlangen, zahlreiche technische Probleme und – mal wieder – reichlich Kritik an der dynamischen Preisgestaltung des Ticketanbieters, der zu teils horrenden Preise führte.

Im Zuge des Ticket-Chaos ermittelte sogar die Europäische Kommission – Oasis selbst wollen laut ihrer Pressemitteilung von den horrenden Preisen nichts gewusst haben. „Es muss klargestellt werden, dass Oasis die Entscheidungen über den Kartenverkauf und die Preisgestaltung vollständig ihren Veranstaltern und ihrem Management überlassen und sich zu keinem Zeitpunkt bewusst waren, dass die dynamische Preisgestaltung zum Einsatz kommen würde“, erklärten sie. Dem Verkauf über den Sekundärmarkt schoben sie dabei direkt den Riegel vor, um den Betrug von Fans zu vermeiden.

Noel Gallagher über Ticket-Verkauf

Ein richtiges Statement, abseits von Liams spontanen Twitter-Ausbrüchen, von den Gallagher-Brüdern gab es dazu noch nicht. Nun hat allerdings Noel sein Schweigen gebrochen und laut NME in einem neuen Interview mit dem ehemaligen NME-Fotografen Kevin Cummins für sein neues Buch “Oasis: The Masterplan” (erscheint am 27. März) gesagt, dass er selbst nicht mit dem Ansturm in dieser Form gerechnet habe. “Ich dachte, es wäre eine große Sache, aber ich war ein bisschen überrascht, wie groß die Sache war”, so der Gitarrist.

Dazu sprach er von seinen Lieblingssongs von Oasis und könnte damit schon einen Hinweis auf mögliche Songs in den kommenden Setlists gegeben haben: “Kann ich mehr als einen haben?”, so Gallagher. “‘Supersonic’, ‘Some Might Say’, ‘Live Forever’ und ‘Rock’n’Roll Star'”, sagte er.

Im Vorfeld der ausverkauften Tournee, die am 4. Juli in Cardiff beginnt, wurde zuletzt vermeintlich das Line-up enthüllt: neben Noel und Liam Gallagher sollen auch Andy Bell, Gem Archer, Paul „Bonehead“ Arthurs und Joey Waronker zum Line-up der Band gehören werden.

Live: Oasis 2025

04.07.2025 Cardiff – Principality Stadium (ausverkauft)
05.07.2025 Cardiff – Principality Stadium (ausverkauft)
11.07.2025 Manchester – Heaton Park (ausverkauft)
12.07.2025 Manchester – Heaton Park (ausverkauft)
16.07.2025 Manchester – Heaton Park (ausverkauft)
19.07.2025 Manchester – Heaton Park (ausverkauft)
20.07.2025 Manchester – Heaton Park (ausverkauft)
25.07.2025 London – Wembley Stadium (ausverkauft)
26.07.2025 London – Wembley Stadium (ausverkauft)
30.07.2025 London – Wembley Stadium (ausverkauft)
02.08.2025 London – Wembley Stadium (ausverkauft)
03.08.2025 London – Wembley Stadium (ausverkauft)
08.08.2025 Edinburgh – Scottish Gas Murrayfield Stadium (ausverkauft)
09.08.2025 Edinburgh – Scottish Gas Murrayfield Stadium (ausverkauft)
12.08.2025 Edinburgh – Scottish Gas Murrayfield Stadium (ausverkauft)
16.08.2025 Dublin – Croke Park (ausverkauft)
17.08.2025 Dublin – Croke Park (ausverkauft)
24.08.2025 Toronto, ON – Rogers Stadium (ausverkauft)
25.08.2025 Toronto, ON – Rogers Stadium (ausverkauft)
28.08.2025 Chicago, IL – Soldier Field (ausverkauft)
31.08.2025 East Rutherford, NJ – MetLife Stadium (ausverkauft)
01.09.2025 East Rutherford, NJ – MetLife Stadium (ausverkauft)
06.09.2025 Los Angeles, CA – Rose Bowl Stadium (ausverkauft)
07.09.2025 Los Angeles, CA – Rose Bowl Stadium (ausverkauft)
12.09.2025 Mexico City, MX – Estadio GNP Seguros (ausverkauft)
13.09.2025 Mexico City, MX – Estadio GNP Seguros (ausverkauft)
27.09.2025 London – Wembley Stadium (ausverkauft)
28.09.2025 London – Wembley Stadium (ausverkauft)
21.10.2025 Goyang – Goyang Stadium (ausverkauft)
25.10.2025 Tokyo – Tokyo Dome (ausverkauft)
26.10.2025 Tokyo – Tokyo Dome (ausverkauft)
31.10.2025 Melbourne – Marvel Stadium (ausverkauft)
01.11.2025 Melbourne – Marvel Stadium (ausverkauft)
04.11.2025 Melbourne – Marvel Stadium
07.11.2025 Sydney – Accor Stadium (ausverkauft)
08.11.2025 Sydney – Accor Stadium (ausverkauft)
15.11.2025 Buenos Aires – Estadio River Plate (ausverkauft)
16.11.2025 Buenos Aires – Estadio River Plate (ausverkauft)
19.11.2025 Santiago – Estadio Nacional (ausverkauft)
22.11.2025 São Paulo – Estadio MorumBIS (ausverkauft)
23.11.2025 São Paulo – Estadio MorumBIS (ausverkauft)

Jubiläumsshow in München

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Anlässlich des 20. Geburtstags des Bloc Party-Debüts “Silent Alarm” von 2005 kündigten die Londoner eine Jubiläumstour an. Zunächst waren im Rahmen der Tour ausschließlich Auftritte in den Vereinigten Staaten und eine Handvoll Shows und Festivals in England, Spanien und den Niederlanden geplant. Jetzt wurde eine Show im Münchner Zenith angekündigt, bei der “Silent Alarm” in Gänze und die “Greatest Hits” der Indie-Koryphäen gespielt werden sollen.

In unserer Review zum Durchbruchsalbum der Band hieß es dazu damals: “Glauben Sie dem Hype, denn Bloc Party sind London’s finest! ‘Silent Alarm’ schleicht sich anteilsgleich in Herz, Kopf und Tanzschlappen. […] Wenn jemand gleichzeitig so laut leiden und des Zuhörers Blick wieder nach vorne richten kann wie er, friert Musik die Zeit ein. Die Außenwelt verblasst und verstummt. Und dann ist da nur noch dieser Mann und seine Band.”

In unserer aktuellen Ausgabe lassen wir “Silent Alarm” in unserer Reihe “Back To ’05” nochmal Revue passieren.

 

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Zuletzt gab es 2024 neue Musik von Bloc Party in Form einer Single. “Flirting Again” stellte dabei eine weitere Entfernung von ihren Indie-Anfangstagen dar. Damit gab die Band einen Anstoß für ihre Glastonbury-Performance im Juni letzten Jahres. 2024 war auch für Frontmann Kele Okereke ein wichtiges Jahr, denn dieser veröffentlichte mit “The Singing Winds Pt.3” die dritte Solo-Platte seiner Vier-Elemente-Serie.

Tickets für die Jubiläums-Show gibt es ab dem 2. April um 11 Uhr über München Ticket.

Alle Alben von Joy Division und New Order im Ranking

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New Order - Waiting For The Sirens' Call

VÖ: 2005 | Label: Warner
 - New Order - Waiting For The Sirens' Call

In den Nullerjahren spielen New Order Alternative Rock mit nur noch dezenten Synthie-Pop-Elementen. Was auch daran liegt, dass die Keyboarderin Gillian Gilbert 2001 zwischenzeitlich aussteigt. Im besten Fall erzeugt dieser Sound eine Wucht. Auf “Waiting For The Sirens‘ Call” klingt er schwerfällig. Was erstens daran liegt, dass es beim Songwriting hakt: Nicht einmal die Single-Auskopplung – in der Geschichte von New Order eine sichere Bank – funktioniert, und auch der Electro-Rock von “Krafty” klingt zu sehr nach am Reißbrett konzipiert. Hinzu kommt eine unglückiche Produktion: New Order arbeiten hier mit einem riesigen Team an Produzenten und Engineers. Die Idee ist, jedem Track den Sound zu geben, nach dem er verlangt. Am Ende klingt das Album aber zusammenhanglos – und unattraktiv wie das Cover, das wirkt, als habe Band-Designer Peter Saville aus Gedankenfaulheit die naheliegendste Typo-Lösung gewählt. Acht Jahre später erscheint mit “Lost Sirens” ein Album mit Überresten der Sessions. Eine Zusammenstellung mit den besten Stücken der beiden Alben hätte sich weiter oben platziert.


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New Order - Music Complete

VÖ: 2015 | Label: Mute
 - New Order - Music Complete

Ein New-Order-Album ohne den Bass von Peter Hook? Für einige unvorstellbar. Dann wiederum findet sich mit Tom Chapman ein Ersatz, der Hook nicht kopiert, dessen Spiel aber im Sinn hat. Wie gut er und Bernard Sumner sich verstehen, zeigt auch das gelungene Album unter dem Projektnamen “Bad Lieutenant”, das die beiden 2009 veröffentlichen. Mit “Music Complete” beenden New Order ihre gitarrenlastige Phase, der Sound verweist auf die späten Achtzigerjahre, Gillian Gilbert ist wieder mit dabei. Die Idee, mit allerhand Gästen am Mikro zu arbeiten, ist nicht übel, sorgt aber dafür, dass das Album ein wenig zerfleddert. Iggy Pop klingt mit seinem Sprechgesang bei “Stray Dog” wie ein schrecklich verkaterter Leonard Cohen, Brandon Flowers von den Killers wirkt bei “Superheated” wie der New-Order-Fanboy, der er eben auch ist. Alles sehr unterhaltsam, aber es entsteht der Eindruck, New Order feiern sich etwas zu sehr selbst, statt nach neuen Wegen zu suchen. Was im 35. Bandjahr aber auch okay ist.


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New Order - Brotherhood

VÖ: 1986 | Label: Factory
 - New Order - Brotherhood

Eben schon angesprochen: Ein Kennzeichen der Diskografie von New Order ist die Klasse der Non-Album-Singles. Meistens entgeht die Band der Gefahr, dass im Zuge dieser exklusiven Veröffentlichungen auf den Alben mittelprächtige Songs als Füller herhalten müssen. Auf “Brotherhood” ist es ein wenig anders. Rund um das Album erscheinen wegweisende Electro-Singles wie “Shellshock” oder “State Of The Nation”, kurz danach mit “True Faith” eines der besten New-Order-Lieder überhaupt. Alle diese Hits finden sich nicht auf “Brotherhood”, nur einen hat die Band mit auf das Album genommen, und so ist “Bizarre Love Triangle” hier das mit Abstand stärkste Stück. Alles andere fällt deutlich ab, wobei es auch keine gute Entscheidung ist, das Album aufzuteilen, mit Gitarren-Wave auf der A- und Electro-Pop auf der B-Seite. Songs wie “Weirdo”, “Broken Promise” oder “All Day Long” sind solide, dennoch: New Order sind Mitte und Ende der Achtzigerjahre in der Form ihres Lebens und verkaufen sich mit dieser Platte unter Wert.


8

New Order - Republic

VÖ: 1993 | Label: Centredate / London / Qwest
 - New Order - Republic

Mit “Republic” erreicht die Band endgültig den Pop: Kurz bevor durch die Britpop-Bewegung neue englische Bands in die Charts gespült werden, sind New Order im Sommer 1993 die Indie-Stars im Mainstream. Die perfekte Radio- und MTV-Single “Regret” läuft fast überall in hoher Rotation, wobei das Stück auch beim hundertsten Hören nichts von seiner Brillanz verliert. Dieses hohe Niveau kann das Album zwar nicht halten, doch zeigt “World (The Price Of Love)”, dass Synthie-Pop auch in den Neunzigern noch nicht auserzählt ist. “Ruined In A Day”, “Avalanche” und “Times Change” sind gelungene Beiträge der Band zum Downtempo- und Chill-Out-Boom dieser Jahre. “Young Offender” beweist, dass Bernard Sumner bei seiner Zusammenarbeit mit Neil Tennant von den Pet Shop Boys beim ersten Album des Projekt Electronic zwei Jahre zuvor viel gelernt hat. Man sollte Lust auf puren Pop haben, um “Republic” genießen zu können. Dann aber bereitet diese Platte ungemein viel Spaß.


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New Order - Movement

VÖ: 1981 | Label: Factory
 - New Order - Movement

Eineinhalb Jahre nach dem Tod von Ian Curtis veröffentlichen New Order dieses erste Album. Mit der Arbeit daran beginnt die Band bereits kurz nach der Beerdigung. „Für uns fühlte es sich sehr normal an, uns wiederzutreffen und Musik zu machen. Was hätten wir auch sonst tun sollen?“, sagt Schlagzeuger Stephen Morris zum schnellen Neustart. Mit “Ceremony” erscheint eine Single noch im Stil von Joy Division, mit einer zweiten, “Everything’s Gone Green”, wagen sich New Order bereits in die Elektronik. Das erste Album führt die bewahrende und abenteuerlustige Seite zusammen. Mit “Dreams Never End” zeigen New Order eine neue Pop-Sensibilität, “The Him” ist so dunkel wie die Musik von The Cure aus dieser Zeit, bei “Truth” singt Bernard Sumner im Stil von Ian Curtis, pluckert die Elektronik wie bei den frühen Human League, steuert Produzent Martin Hannett seine sofort erkennbaren Sounds bei. Wenig auf “Movement” klingt perfekt, wie auch, so kurz nach dem Drama? Weil es der Band aber gelingt, aus den Fragen und der puren Verzweiflung heraus diese Musik entstehen zu lassen, klingt alles auf “Movement” ergreifend.


6

New Order - Power, Corruption & Lies

VÖ: 1983 | Label: Factory
 - New Order - Power, Corruption & Lies

Es wirkt, als habe jemand für das zweite New Order-Album die Rollladen hochgezogen und das Fenster geöffnet. Die Zeit der Fassungslosigkeit ist vorbei, New Order wissen nun, wohin sie möchten – und sie realisieren ihre Ideen beinahe formvollendet. Drei grandiose Wave-Pop-Songs geben der Platte den Rahmen, der erste Track “Age Of Consent” treibt an, der melancholische Synthie-Pop “Your Silent Face” ist das Herzstück des Albums mit grandiosen Keyboards von Gillian Gilbert, der letzte Song “Leave Me Alone” bietet ein perfektes Zusammenspiel von Peter Hooks Bass und Bernard Sumners Jingle-Jangle-Gitarre. Dieser findet als Sänger hier endgültig einen eigenen Stil, klingt jungenhaft, als habe man ihm viel Ballast von den Stimmbändern genommen. Zwischen den drei Hits bietet “Power, Corruption & Lies” hochinteressante Experimente zwischen avantgardistischer Elektronik und Disco, im Stil der wegweisenden “Blue Monday”-Single, die kurz davor erschienen ist.


5

New Order - Get Ready

VÖ: 2001 | Label: Reprise
 - New Order - Get Ready

Nach “Republic” liegt die Band einige Jahre lang auf Eis, die Mitglieder verwirklichen eigene Projekte, eine Rückkehr zu New Order erscheint ihnen wenig sinnvoll, weil sehr anstrengend. Dann aber meldet sich die Gruppe mit einem Volltreffer zurück: Die Vorabsingle “Crystal” verbindet das Pop-Gespür mit dichtem Alternative-Rock. Im Video zeigt sich nicht das gealterte Quartett, sondern tritt eine fiktive, junge Band auf. Ihr Name im Clip: The Killers. Eine Band aus Las Vegas, allesamt New-Order-Fans, findet die Idee so gut, dass sie sich diesen Namen schnappt. Die Stärke von “Get Ready” ist weniger die Brillanz einzelner Songs als die Dringlichkeit des Albums. Der Gitarrenlärm steht New Order vor allem dann ausgezeichnete, wenn Stücke wie “60 Miles An Hour” oder “Primitive Notion” einen eigenen Groove entwickeln. Auch das Songwriting funktioniert: “Turn My Way” bringt die Melancholie von New Order auf den Punkt, als Gastsänger zu hören: Billy Corgan von den Smashing Pumpkins, auch er großer Fan. Auf dem Cover ist übrigens die deutsche Schauspielerin Nicolette Krebitz zu sehen.


4

New Order - Technique

VÖ: 1989 | Label: Factory / Qwest
 - New Order - Technique

In der Bravo (damals eine Zeitschrift mit durchaus ernstzunehmenden Plattenkritiken) erhielt “Technique” einen Komplettverriss: nicht besser als Modern Talking. Falscher kann man nicht liegen. Klar, diese Platte ist purer Pop. Das sieht man ihr schon am Cover an. Aber dieser Pop ist damals, 1989, zeitgemäß und heute, 36 Jahre später, zeitlos. Das muss man erst einmal hinbekommen. Das Album steigt hemmungslos auf dem Dancefloor ein: “Fine Time” klingt nach Acid House und dem Baggy-Sound aus Manchester. Aber schon “All The Way klingt” unverkennbar nach New Order, nur klarer produziert, mit Fokus auf der Melodie. Das gilt auch für Stücke wie “Run” oder “Love Less”. Was “Technique” einzigartig macht, sind die Songs “Round & Round” und “Vanishing Point”: Synthie-Pop mit tausenden von Effekten, doch versteckt sich unter der technischen Oberfläche ein melancholischer Song. So gut wie New Order auf “Technique” bekommen diese Mischung sonst nur die Pet Shop Boys in ihren Sternstunden hin.


3

Joy Division - Unknown Pleasures

VÖ: 1979 | Label: Factory
 - Joy Division - Unknown Pleasures

Über das erste Album von Joy Division ist schon viel geschrieben worden. Über das ikonische Cover von Peter Saville. Über den unglaublichen Sound, den Produzent Martin Hannett für die Band entwickelt hat. Über die Performance von Sänger Ian Curtis. Und über das Zusammenspiel dieser noch sehr jungen Band, die hier klingt, als falle ihr nichts leichter, als diese Jahrhundertplatte aufzunehmen. Natürlich ist “Unknown Pleasures” ein Meisterwerk, das bis heute alle Bands beeinflusst, die sich für vertonte Verzweiflung interessieren. Und das für viele junge Menschen, die damit beginnen, Platten zu sammeln, ein Pflichtkauf zum Einstieg ist. Eine Klage auf hohem Niveau, die begründet, warum das Album nicht ganz oben im Ranking steht: Ganz am Ende geht “Unknown Pleasures” ein wenig die Puste aus. Nicht jeder mittelgute Song wie “Wilderness” kann von Martin Hannett auf ein neues Level gehoben werden, der Gitarrenrock von “Interzone” passt nicht auf diese Platte, das erschütternde “I Remember Nothing” zieht sich über sechs zähe Minuten dahin.


2

New Order - Low-Life

VÖ: 1985 | Label: Factory / Qwest
 - New Order - Low-Life

Das Album, auf dem New Order ihre besten Songs schreiben. Wobei Bernard Sumner sie singt, als wolle er uns sagen: „Ihr seid verletzlich? Kein Problem, ich auch.“ Das beginnt schon mit dem ersten Stück “Love Vigilantes”, einem Folksong mit New Wave-Arrangement. Sumners Vocals sind offensichtlich ein wenig schief. Man hätte das natürlich ändern können, aber weil er aus der Perspektive eines Soldaten mit großem Heimweh singt, ist dieser wackelige Gesang ein Statement. Bei “Sunrise” versucht sich Sumner daran, die gesangliche Paranoia von Robert Smith von The Cure zu adaptieren. Das gelingt ihm nicht, wobei dieser Umstand den Song umso besser, weil zerbrechlicher macht – und die Band einen Instrumentalteil spielt, in dem die Synthies von Gillian Gilbert, Sumners Gitarre und Hooks Bass einen fantastischen Dreikampf ausführen. Gegen Ende der Platte wartet einer der besten New-Order-Songs überhaupt: “Sub-Culture”. Wieder singt Sumner beinahe unbedarft, erneut passt diese Performance perfekt zu diesem Lied, das von der Ausweglosigkeit handelt. Wer ehrlichen Wave-Pop sucht, der findet ihn auf “Low-Life”.


1

Joy Division - Closer

VÖ: 19080 | Label: Factory
 - Joy Division - Closer

An dieser Stelle endlich auch ein paar Worte über Stephen Morris, den Drummer von Joy Division und New Order. Bevor er sich mit im Laufe der Jahre mit großer Leidenschaft auf die Erzeugung elektronischer Beats stürzt, revolutioniert er mit Joy Division das Schlagzeugspiel, indem er den Minimalismus des Krautrock mit komplexen Patterns kombiniert. Im vielen Fällen erschafft er damit Rhythmen, die man sofort erkennt. Der prägnanteste Beat von allen zu hören bei “Atrocity Exhibition”, dem ersten Stück auf “Closer”. Mithilfe der Toms erzeugt Morris eine Melodie, die diesen Pattern zu einem echten Ohrwurm macht. Der Zwischenschlag auf der Hi-Hat gibt dem Stück darüber hinaus einen Groove, sodass man zu den sechs Minuten “Atrocity Exhibition” sogar tanzen kann. Wenn man es denn schafft, sich zu diesem Text zu bewegen, einem niederschmetternden Szenario, beeinflusst von einem Buch des experimentellen Schriftstellers J.G. Ballard, mit dem er versucht, die Grausamkeit der Welt zu erklären, geschrieben kurz nach dem Tod seiner Frau. Auf diese Eröffnung folgt mit “Isolation” ein echter Hit, drei Minuten lang, mit den typischen eiernden Hannett-Synthies im Stil einer betrunkenen Krautrockband sowie einem metallischen Schlagzeug, das im Verlaufe des Songs plötzlich voll klingt – ein sensationeller Effekt. 1994 covern die irischen Therapy? das Stück und beweisen, dass Joy Division hier im Prinzip Alternative Rock spielen. Bei “Colony” spielt Bernard Sumner sogar ein waschechtes Metal-Riff. Sowieso zeichnet die Offenheit Closer besonders aus: “Heart And Soul” enthält tatsächlich Spuren von Soulmusik, “Twenty Four Hours” ist durch seine Tempowechsel von Progrock beeinflusst, “Decades” dank der Synthie-Fanfare von klassischer Musik. “A Means To An End” ist neben der Kult-Single “Love Will Tear Us Apart” das wichtigste Liebeslied von Joy Division. Den Text widmet Ian Curtis seiner Frau Deborah, mantraartig wiederholt er: „I put my trust in you“. Er schreibt den Song zu der Zeit, als er eine Affäre Annik Honoré beginnt, eine Sache, die ihm ein tiefes moralisches Dilemma stürzt. Von diesen und anderen Zweifeln handelt “Closer”. Die Platte erscheint zwei Monate nach Curtis‘ Suizid. Als die Band davon erfährt, ist das Cover mit dem Bild eines Grabsteins auf dem Friedhof von Genua bereits im Druck. Umstände, die die beinahe gespenstische Wirkung, die von diesem Album ausgeht, noch steigern.


Albenlisten
Listen to your heart

Inhalt

  1. Von Flop bis Top – Alle Alben der Donots im Ranking
  2. Von Flop bis Top – Alle Alben von The Smiths im Ranking
  3. Von Flop bis Top – Alle Alben von Soundgarden im Ranking
  4. Von Flop bis Top – Alle Alben von Jack White im Ranking
  5. Von Flop bis Top – Alle Alben von Joy Division und New Order im Ranking
  6. Von Flop bis Top – Alle Alben von Placebo im Ranking
  7. Die 30 wichtigsten Konzeptalben – Die Schönheit des Konzepts
  8. Von Flop bis Top – Alle Alben von Tocotronic im Ranking
  9. Metalcore: die Album-Highlights – Der harte Kern
  10. Die 50 Alben des Jahres 2024 – Harte Musik für harte Zeiten
  11. Von Flop bis Top – Alle Alben von Linkin Park im Ranking
  12. Die besten Soloalben: 2012-2024 – Für sich (auf)genommen
  13. Die besten Soloalben 1994-2011 – Einzig und allein
  14. Von Flop bis Top – Alle Alben von Primal Scream im Ranking
  15. Von Flop bis Top – Alle Alben von The Cure im Ranking
  16. Von Flop bis Top – Alle Alben von Blur im Ranking
  17. Die 50 wichtigsten Noiserock-Platten – Mutwillig am Hit vorbei
  18. Von Flop bis Top – Alle Alben von Oasis im Ranking
  19. Von Flop bis Top – Alle Alben von Nick Cave & The Bad Seeds im Ranking
  20. Von Flop bis Top – Alle Alben von Weezer im Ranking
  21. Die 50 wichtigsten Soundtracks – Bilder hören
  22. Zwölf umweltbewusste Alben – Sendungsbewusstsein
  23. Von Flop bis Top – Alle Alben der Beatsteaks im Ranking
  24. Von Flop bis Top – Alle Alben von Frank Turner im Ranking
  25. Von Flop bis Top – Alle Alben der Foo Fighters im Ranking
  26. Global Beat - Die wichtigsten Platten – Der Beat geht weiter
  27. Jahresrückblick 2023: Die 50 Alben des Jahres – Es müsste immer Musik da sein
  28. 1993 in 50 Platten – Re(ar)viewmirror
  29. Die 25 besten Heartland-Rock-Platten – Bewusstsein schaffen
  30. Shoegaze: Die 40 besten Platten – Dream On
  31. Tribute-Alben: 25 Meilensteine – Wem Ehre gebührt
  32. Supergroups: Die 50 besten Alben – Alles super
  33. Supergroups: Superduos – Ein Fall für zwei
  34. Die 33 wichtigsten Koop-Alben – Kommt zusammen
  35. Sludge Metal: Die besten Platten – Schlammschlacht
  36. Die 2010er: Die Plattenliste – Die 100 besten Alben der 2010er
  37. Okkult-Rock - Die Plattenliste – Diabolus in Musica
  38. Proto-Punk: Die wichtigsten Platten – Paten des Punk
  39. Jahresrückblick 2022: Die 50 Alben des Jahres – Kommentare zur Zeit
  40. Britpop - Die Plattenliste – Cool Britannia
  41. Post-Punk: Die besten Alben der ersten Welle – Pinke Flagge, schwarzes Gewand
  42. Post-Punk: Die besten Alben des Revivals – Widerhall in der Fabrikhalle
  43. Von Grunge bis Drum'n'Bass – Die 100 wichtigsten Platten der 90er

»Die Produktion beginnt!«

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Bereits vor zwei Jahren in Aussicht gestellt, scheint es nun so weit zu sein: Converge teilten über ihre Social-Media-Kanäle mit, dass sie diese Woche mit der Produktion für ein neues Album beginnen wollen. Sänger Jacob Bannon kündigte außerdem an, den Entstehungsprozess via Substack mit den Fans teilen zu wollen.

 

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Album schon länger in Arbeit

Schon seit einer Weile gibt es Hinweise auf ein neues Album: Drummer Ben Koller postete im Juli 2024 einen Videomitschnitt aus dem God City Studio, das Bandkollege und Produzent Kurt Ballou gehört. Im Video schreibt er “New Stuff” und gibt dem Video den Hashtag “#newconverge”. Im Dezember gab Koller dann erneut ein Update: Converge hätten 27 neue Songs geschrieben, von denen zehn bereits fertig gewesen sein sollen.

2017 erschien “The Dusk In Us”, das bislang letzte Album der Hardcore/Metalcore-Band, ein Jahr später folgte mit “Beautiful Ruin” eine EP. Ende letzten Jahres veröffentlichten sie ein Live-Album zugunsten von Opfern des Hurricane Helene, 2001 dann “Bloodmoon:I” – eine Kooperation mit unter anderem Chelsea Wolfe.

Europatour angekündigt

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“Zwei Jahre Pause sind genug! Länger halten wir es im Proberaum nicht aus!”, so Die Toten Hosen zu ihrer Tourankündigung. Ab Ende August bis Mitte September ist die Band auf Tour quer durch Europa unterwegs. Am 29. August startet die Tour in Kopenhagen und geht weiter über Stockholm, Warschau, London, Paris und Amsterdam, bevor sie am 14. September in Brüssel endet.

 

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Weiter schreiben die Toten Hosen: “Nun ist der Hunger nach Konzerten wieder so groß, dass wir noch in diesem Sommer losziehen. Getreu dem Geier-Sturzflug-Spruch ‘Besuchen Sie Europa, solange es noch steht’ steuern wir eine Handvoll unserer Lieblingsstädte an. Wenn wir […] wieder in den Ring steigen, ist kein Sparring, sondern Vollkontakt angesagt.” Tickets für die Konzerte sind ab Mittwoch, 2. April, 11 Uhr an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Tourdaten in Deutschland scheinen bislang keine geplant zu sein in diesem Jahr, ebenso wenig gibt es Informationen über neue Musik der Düsseldorfer Punkband. Ihr bislang letztes Album “Laune der Natur” ist 2017 erschienen, 2022 folgte noch die Kompilation “Alles aus Liebe: 40 Jahre Die Toten Hosen”.

Untätig waren sie in der Zwischenzeit aber keineswegs: Neben zahlreichen Konzerten und Festivalauftritten hat sich die Band wie immer gewohnt politisch engagiert und vor der Wahl zuletzt ein Statement gegen Rechtsextremismus veröffentlicht. Frontmann Campino hat außerdem 2020 sein autobiografisches Buch “Hope Street: Wie ich einmal englischer Meister wurde” veröffentlicht. Zuletzt wurde bekannt, dass sie an einem Benefizsampler von Merchcowboy beteiligt sind, an dem auch unter anderem Die Ärzte, Deichkind und die Donots mitwirken.

Live: Die Toten Hosen

29.08. DK – København – Vega
31.08. SE – Stockholm – Fållan
02.09. PL – Warszawa – Stodoła
07.09. GB – London – O2 Forum
09.09. FR – Paris – Élysée Montmartre
10.09. NL – Amsterdam – Paradiso
14.09. BE – Brussel – Ancienne Belgique

Tour angekündigt

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Kraftwerk gehen im November und Dezember 2025 auf große “Multimedia Tour”. In ganzen 13 Städten performen die Düsseldorfer Elektro-Pioniere dann in Deutschland, nachdem sie in den vergangen drei Jahren nur jeweils ein Konzert in ihrem Heimatland gegeben haben. Ihre letzte etwas größere Tour fand 2018 statt.

Zur Ankündigung heißt es bei Veranstalter FKP Scorpio: “Mit ihrem einzigartigen Zusammenspiel aus elektronischen Klängen, Computer-Animationen und Performance-Kunst haben sie die Musikgeschichte geprägt. Erlebt die Pioniere live und taucht ein in ihre visionäre Welt aus Musik und Kunst!”

Der exklusive Vorverkauf bei Eventim startet am 2. April um 10 Uhr, der allgemeine Vorverkauf beginnt dann am 4. April, ebenfalls um 10 Uhr.

 

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Live: Kraftwerk

11.11.2025 Nürnberg, Meistersingerhalle
13.11.2025 Rostock, StadtHalle Rostock
26.11.2025 Braunschweig, Volkswagen Halle
27.11.2025 Chemnitz, Stadthalle Chemnitz
28.11.2025 Hamburg, CCH
30.11.2025 Bochum, Ruhr Congress
01.12.2025 Frankfurt, Jahrhunderthalle
04.12.2025 Lingen, EmslandArena
09.12.2025 Berlin, Uber Eats Music Hall
11.12.2025 Leipzig, QUARTERBACK Immobilien ARENA
13.12.2025 Bielefeld, Seidensticker Halle
14.12.2025 Düsseldorf, Mitsubishi Electric HALLE
20.12.2025 München, Zenith

Die Playlist zum Heft

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Auch wenn das Ende der VISIONS-CD nicht nur für uns, sondern auch für euch Leser:innen ein herber Verlust ist, eine gute Sache hat das Ganze: Wir sind nun nicht mehr davon abhängig, welche Songs uns die Plattenlabels zur Verfügung stellen. Stattdessen können wir auf den gesamten Fundus der bekannten Streamingdienste zugreifen, um euch den zur aktuellen Ausgabe passenden Soundtrack als Playlist zusammenzustellen.

So findet ihr auf der Playlist zu VISIONS 385, die ab sofort erhältlich ist und auf VISIONS.de bestellt oder abonniert werden kann, Songs von Prog-Vordenker Steven Wilson und von Coheed And Cambria, den Titelhelden unserer Abo-Ausgabe. Aber auch Stücke vom aktuellen Deafheaven-Album, von der Native-American-Hardcore-Band Dead Pioneers, von Girlpuppy oder den norwegischen Altmeistern Motorpsycho.

Dazu kommen alte Helden wie Bloc Party, denen wir in dieser Ausgabe unseres “Back To 2005” gewidmet haben, sowie die zu Unrecht vergessenen Indiehelden Unrest. Und schließlich auch von Fear Factory, deren ehemaligen Frontmann Burton C. Bell wir gefragt haben, was er gerade so treibt.

Pünktlich zu VISIONS 386, die am 25.04.2025 erscheint, findet ihr an dieser Stelle unsere neue Playlist. Hört in der Zwischenzeit auch mal in die persönlich kuratierten Playlisten der VISIONS-Redaktion rein – mit wöchentlich neuen Songs.

Danzig wegen Nazi-Symbol in der Kritik

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Seit Anfang März ist Misfits-Sänger Glenn Danzig mit seiner Band Danzig auf einer kürzeren USA-Tour unterwegs. Gegen Ende der Tour sind über das vergangene Wochenende mehrere Artikel am Merchandise-Stand aufgetaucht, die eine Comic-Version des Sängers offenbar vor einer sogenannten “Schwarzen Sonne” zeigt. In mehreren Reddit-Threads muss der Bandchef dafür nun reichlich Kritik einstecken.

Schwarze Sonne oft als Ersatzsymbol genutzt

Das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnet das Symbol den Kennzeichen im Rechtsextremismus zu und schreibt: “Die Schwarze Sonne diente als Vorlage für ein im Boden eingelassenes Marmormosaik in Form eines Sonnenrades, welches zu Zeiten des Nationalsozialismus von der SS im ‘Obergruppenführersaal’ im Nordturm der Wewelsburg (Kreis Paderborn/Nordrhein-Westfalen) eingelassen wurde und ist nicht strafbar. In Verbindung mit einer verbotenen Organisation ist die Verwendung jedoch strafbar.” Die bayrische Informationsstelle gegen Extremismus schreibt außerdem: “Die Schwarze Sonne enthält Elemente, in denen man Hakenkreuze oder Sigrunen erkennen kann. Sie findet daher Verwendung als Ersatz dieser Symbole, ist aber auch außerhalb der rechtsextremistischen Szene gebräuchlich, z.B. in der Esoterik-, Gothic- oder neuheidnischen Szene.”

FFS, Really Glenn? This is over the line.
byu/Mister-Meta inDanzig

Auch die US-Menschenrechtsorganisation Anti Defamation League stuft die Schwarze Sonne bzw. das Sonnenrad als „eines von vielen alten europäischen Symbolen, die sich die Nazis in ihrem Versuch angeeignet haben, ein idealisiertes ‚arisches/nordisches‘ Erbe zu erfinden“ ein. Weiter heißt es zur Einordnung der ADL: “Da Sonnenrad-Bildnisse von vielen Kulturen auf der ganzen Welt verwendet werden, sollte man nicht davon ausgehen, dass die meisten sonnenradähnlichen Bilder zwangsläufig Rassismus oder weiße Vorherrschaft bedeuten; vielmehr sollten sie in dem Kontext, in dem sie erscheinen, sorgfältig analysiert werden.”

Danzig selbst hat sich dazu noch nicht geäußert. Sein Interesse an den okkulten oder esoterischen Verbindungen des Nationalsozialismus ist allerdings bekannt. In den 90ern etwa lobte er das Buch „The Occult Roots Of Nazism“ und sagte, dass „jedes Schulkind dieses Buch haben sollte“. Später erklärte er in einem Interview, dass diese Bemerkung satirisch gemeint war. “Wenn ich ein Nazi-Jäger wäre, würde ich dieses Buch lesen wollen. Wenn jemand sagt, es sei politisch unkorrekt, dieses Buch zu haben, sage ich im Grunde: ‘Fick dich.'”, rechtfertigte sich Danzig.

Fanlager gespalten

Viele US-Fans in den Reddit-Kommentaren denken offenbar, dass Danzig mit der Symbolik zu weit geht und sprechen in diesem Zuge von “Nazi-Scheiß”. Ein Nutzer wurde konkreter und schrieb etwa “Man kann nicht in einer Zeit, in der echte Nazis an der Macht sind, Nazi-Scheiße ausstellen und es ‘okkult’ nennen. Hört auf, diesen faschistischen Scheiß zu unterstützen.”

Andere sahen darin nur eine bewusste Provokation seitens des Sängers: “Sein Künstlername ist Danzig, er hat schon immer absichtlich Kontroversen provoziert.” An anderer Stelle wird er damit verteidigt, dass er derjenige gewesen sei, der “Bullet” geschrieben habe: “Er verwendet eiserne Kreuze und Pentagramme und sorgt gerne für Aufsehen. Ist er ein Nazi? Äußerst zweifelhaft.” Von einigen offen rechtsradikalen Nutzern auf Twitter wurde er aber auch durch die Aktion als “einer von unseren Jungs” betitelt.

Danzig gegen Cancel Culture

Inwiefern Danzig tatsächlich ernst mit rechts-esoterischem Gedankengut sympathisiert oder nur provozieren will, bleibt vorerst offen. Zuletzt sprach er sich etwa 2021 gegen „woke bullshit“ aus und erklärte, dass Band wie seine Misifits heute keine Songs wie „Last Caress“ über die Ermordung von Babys und sexuelle Übergriffe auf Mütter schreiben könne. “Wir können froh sein, dass es so gekommen ist, denn es wird nie wieder passieren. Diese Art von Bands wird es nie wieder geben. Alle sind so verklemmt und pingelig”, so Danzig. Neuer Songs schreiben möchte der 69-Jährige aber eh nicht, wie er zuletzt in einem Interview behauptete.

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