Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Gerrit Köppl

Cloud Nothings - Last Building Burning

Last Building Burning
  • VÖ: 19.10.2018
  • Label: Wichita
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 308 - Schönheit der Ausgabe

Dylan Baldi sei buchstäblich besessen gewesen von Energie, sagt er selbst über die Entstehung des neuen Albums seiner Band Cloud Nothings. Genauso aufgeladen klingt es, genauso intensiv springt der Funke über.

Das Cover von "Life Without Sound", dem 2017 erschienenen vierten Album der Power-Pop-trifft-auf-Noise-Rocker, ziert ein idyllischer Blick aufs Meer in hellem Blau. Ein Bild voller Ruhe, das zu dem nachdenklichen Baldi passt, der sich mit den melodischsten Stücken seiner Karriere auf der Suche nach sich selbst befindet. Das schwarz-weiße Artwork von "Last Building Burning" bildet etwas ab, das aussieht, als hätte ein Sturm irgendein Bauelement einer Scheune in nicht zu identifizierenden Schrott verwandelt. So geht es dann auch los: Im Opener "On An Edge" rastet die Band komplett aus, überschlägt sich mit Trommelwirbeln und dissonanten Riffs, zu denen Baldi tobsüchtig ins Mikro kläfft. Ein unberechenbarer Stoß purer Energie, wie angekündigt. Den können Cloud Nothings genauso schnell in ihre ansteckenden Hooklines lenken, was im beklemmend beginnenden "Leave Him Now" auch passiert, bis der Song zur angestrengten Schreieskapade umkippt. Statt Mitsingen ist wieder Entgegengrölen angesagt – wie 2014 während der Touren zum Album "Here And Nowhere Else". Der raue Live-Sound, den Baldi mit seinen Mitmusikern in dieser Zeit auf die Bühne brachte, ist jetzt genau so auf Platte zu hören, zur großen Freude aller, für die an "Life Without Sound" zu viel Watte klebt. "Here And Nowhere Else" dient für "Last Building Burning" zudem offensichtlich als Blaupause. Der Grundton ist wieder furios, wieder sind es sieben kompakte Songs und ein extra langer und lauter. "Dissolution" heißt dieses Kernstück, das nach einem dramatischen Auftakt in einen Feedback-Drone übergeht – kakophonisch, enervierend und experimentell, ein so noch nicht dagewesener Kontrast im Repertoire der Band. Eine höllische Spannung baut sie damit auf, wie eine endlos verschachtelte Akkordfolge, die sich entgegen des Songtitels nicht auflösen will. Noch nicht: Im getragenen "So Right So Clean" fackelt Baldi angestrengt das "letzte Gebäude" ab, dann gipfelt alles im letzten Track, der ultimativen Energie-Entladung namens "Another Way Of Life" – dem essentiellen, selbstreflektierten Cloud-Nothings-Albumabschluss. Die nach vorn gerichtete Hymne übers Druckablassen (Stichwort: Energie) ist wie der "Here And Nowhere Else"-Closer "I'm Not Part Of Me" ein Schritt in einen neuen Lebensabschnitt, der mit sanftem Rauschen ausklingt, mit einem Mantra-artigen Refrain, der nicht mehr aus dem Kopf geht – Energie verlustfrei übertragen.

Leserbewertung: 10.0/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.