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0 Autor: Nina Töllner / Jan Schwarzkamp

Slut - Talks Of Paradise

Talks Of Paradise

Vier-Ohren-Test

Zwischen Ambient-Exkursen und Discopop-Feeling haben sich die Bayern ihre Kernkompetenz erhalten. Lange schon hat die Elektronik einen festen Platz im Klangkosmos von Slut, mal als dezente Einfärbung, mal sogar als tragende Säule. Für "Talks Of Paradise", ihr erstes Album in acht Jahren, haben die bayerischen Indie-Veteranen nun in der analogen Synthesizer-Abteilung aufgerüstet. Gleichzeitig testen sie die äußeren Enden ihres Massenappeals aus – und zwar von beiden Seiten. Während dunkel pulsierende Stücke wie "Fala" und "Yes No Why Later" oder das ambienthafte Instrumental "Black Sleep" an die Electro-Pioniere der 70er denken lassen, drehen Slut mit schimmernden Pop-Fegern à la "For The Soul There Is No Hospital" und "Penny Changes Dresses" mal so richtig auf der Tanzfläche frei. Näher am klassischen Indierock-Flair orientieren sich "How Trivial We Are" und "The Worst Is Yet To Come", Synthie-Flirren und -Fanfaren zum Trotz. Zuweilen übertreiben es Slut mit letzterem, etwa im ohnehin recht seifigen "Belly Call". Doch die Lust am Austesten ehrt sie. Und dass die Herren aus Ingolstadt und München Meister des Ohrwurms sind, stellen sie auch hier wieder ausgiebig unter Beweis. Mancher Fehlgriff am Synthesizer sei ihnen da verziehen. 8/12 Nina Töllner

Achtung: Slut haben nach acht Jahren Pause nun gar keine Lust mehr auf Gitarren und Rock. Der Weg zu "Talks Of Paradise" war recht eindeutig. 2013 ist Sluts achtes Album "Alienation" bereits vor allem Indiepop. Vom 90s-Alternative ihrer Anfangstage hatten sich die Ingolstädter da längst gelöst, wenn sie sich zwischenzeitig mit "Easy To Love" und später auch mit "Die Moritat" von Mackie Messer immer wieder pointiert als Gitarrenband in Szene setzten. Keyboards und Laptop haben den Verzerrer nun ersetzt, "Talks Of Paradise" stellt Sluts eindeutige Pop-Werdung dar. Für die Band (und ihre Fans) mag es neues Terrain sein, aber tatsächlich gibt es auf dem Album nichts, das so oder so ähnlich The Notwist, The Postal Service oder Phoenix vor Jahren nicht besser, wegweisender oder hittiger gemacht hätten. Aber nun gut, niemand würde erwarten, dass Slut Elektropop neu erfinden, sie selbst wahrscheinlich am wenigsten – ist ja alles ganz zwanglos entstanden, zum Teil in Athen. Da kann sich der Schönklang ab jetzt perfekt in Playlisten zwischen Moderat und den gegenwärtigen Tame Impala, zwischen die banalen Kalkbrenners und so anderem Zeug einreihen, das im Radio nicht weiter weh tut. Klar ist aber auch: Das hier geht alles auch viel schlimmer und käsiger. 5/12 Jan Schwarzkamp

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