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0 Autor: Martin Burger

Samavayo - Vatan

Vatan
  • VÖ: 23.11.2018
  • Label: Noisolution/Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 309 - Schönheit der Ausgabe

Vor zwei Jahren kamen Samavayo in die Gänge. Endlich, wollte man stoßseufzen. "Dakota", das erste Album als Trio, zeigte die Berliner als erstarkte Stoner-Macht mit Hang zum sechsminütigen Jam. Diese Kreativexplosion hallt bis ins Jetzt nach: "Vatan" ist ihr bisher bestes Album.

Es startet mit einer Außenaufnahme: In einer Berliner Unterführung war Schlagzeuger Stephan Voland vom nächtlichen Singsang einer Frau inmitten der Stadtgeräusche so fasziniert, dass er spontan aufs Knöpfchen drückte – ein atmosphärischer Einstieg. Danach heißt es erstmal schlucken. Andreas Volands Fibonacci-Bassfigur, die aus dem Intro von "Prevarication Nation" erwächst, klingt so verdächtig nach Tool, wie Fibonacci-Bassfiguren nun einmal klingen, später intoniert Sänger Behrang Alavi seine Wut über eine Un-Politik der Ausgrenzung noch näher an Maynard James Keenan als ohnehin schon. Manchen könnte das sauer aufstoßen, aber für eine deckungsgleiche Kopie ist der Opener zu sehr Stoner-Rock statt Prog-Metal, und eine gut bis ausgezeichnet gespielte Verbeugung geht ja durchaus in Ordnung, solange die Vorbilder noch im Studio versumpfen oder mit Nebenprojekten mediokere Platten veröffentlichen. Samavayo haben zwischen "10,000 Days" und seinem (theoretisch) bald erscheinenden Nachfolger fünf Alben produziert und einige Tiefs erlebt. Alles weggewischt, begonnen bei den vorsichtig neuen Ansätzen auf "Soul Invictus" von 2012. Darauf befand sich mit "Roozhaye Roshan" das erste Lied in Alavis Muttersprache Persisch, auf "Dakota" das zweite und auf "Vatan" ist es nun der Titeltrack, in dem er nur leicht variiert ein Gedicht einer Bekannten seiner Mutter rezitiert: Die iranische Literatin Simin Behbahani schrieb über Frauenrechte, vor allem aber über Heimat (Persisch: Vatan). Ein Begriff, dessen Wandelbarkeit vielen vorderasiatischen Flüchtlingen (und nicht nur denen) lange zusetzte, und der seit einiger Zeit wieder die Nachrichten infiltriert. Der allseits bekannte "narcissistic falsifier", das Chaos und der Schlamassel des direkten "Prevarication Nation" treten zur Seite für eine Sprache, die wohl schon ohne Verbindung zur Lyrik poetische Stimmung verbreitet, selbst in eindringlicher Umgebung wie dem Psych-infizierten Stoner-Teppich, den auch der Rest von "Vatan" ohne nennenswerte Ausfälle auslegt. Die Liebe zum Groove stets auf der Brust, textliche Fingerzeige erbarmungslos wiederholend. Samavayo sind nicht Tool, Samavayo sind ganz bei sich – was leider auch das eher Genre-typische Artwork miteinschließt. Und: Nichts gegen Englisch, aber ab sofort warten wir auf ein durchgehend persisch-sprachiges Album.

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