1 Autor: Florian Zandt

Kaiser Franz Josef - Make Rock Great Again

Make Rock Great Again
  • VÖ: 30.06.2017
  • Label: Sony

Egal ob der Titel des zweiten Albums der Österreicher ironisch oder tatsächlich ernst gemeint ist: Ihr Bluesrock wird weder dem einen, noch dem anderen richtig gerecht.

Das liegt im Fall des jungen Trios nicht an ihrem musikalischen Können. Das Gitarrenspiel von Frontmann Hesham „Sham“ Abd El Salam pendelt problemlos zwischen dickem Alternative Rock in bester Foo-Fighters-Manier in "Mirrors" und präzise eingehämmerten Wolfmother-Riffs wie im Opener "Slaughterhouse". Allerdings erschöpft sich dessen Einfallsreichtum bis auf eine Reihe von Beutezügen im Melodie-Geheimversteck der Queens Of The Stone Age damit auch schon. Auch Abd El Salams Gesangsperformance ist ohne Zweifel punktgenau und exakt so, wie man es erwartet – bis auf charmante Überdreher wie in "Disguise" relativ rundgeschliffen und piekfein getrimmt. In seinen besten Momenten erinnert er dabei durchaus an eine der großen Stimme des Grunge, die kürzlich verstummte: Chris Cornell. Ohnehin fokussiert sich die Produktion von "Make Rock Great Again" zu großen Teilen auf Gitarre und Gesang, obwohl Bassist Pete häufiger durchblitzen lässt, dass man ihm die Groove-Hoheit ruhig auch mal übertragen könnte. So bleibt das zweite Album der Talentshow-Teilnehmer bis auf das swingende "Tinnitus" und das bissige Rock’n’Roll-Piano und die Schellenkranzeinwürfe aus "Pinkenstein" arm an ungewöhnlichen Ideen. Inwiefern sich die Band damit im mittlerweile derart überfrachteten Genre des Retrorock behaupten kann, bleibt fraglich. Für einen Eintrag in die nächste kuratierte Sommer-Playlist und reichlich Zuschauer bei den kommenden Festivalshows reicht es allerdings doch.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 9.0/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Kommentare (1)

Avatar von Zeilenzunder Zeilenzunder 27.06.2017 | 18:24

Dass Kaiser Franz Josef was kann, ist eindeutig. Die Jungs beherrschen ihre Instrumente...
Bei ihren ersten beiden Single-Auskopplungen befindet man sich direkt in einem Queens-Of-The-Stone-Age-Meer an Parallelen und sucht fast schon verzweifelt nach Abweichungen und eigenen Ideen. Das ist mir tatsächlich auch als erstes aufgefallen, deswegen kann ich der Kritik leider nicht widersprechen.
Hört man das Album weiter, kommen allerdings noch mehr Bands dazu. Vor allem die Foo Fighters haben einen eindeutigen Einfluss auf die Band und um so höher der Einfluss, desto besser die Songs. Das ist kein gutes Zeichen, aber macht mich trotzdem zum Freund dieses Albums.
Deshalb bekommt das Album von mir 8 von 12 Punkten, denn ich bin großer QOTSA und Foo Fighters Fan und höre das Album tatsächlich sehr gern. 4 Punkte Abzug gibt es für den offensichtlichen Stil-Klau und dem Mix aus vieler Musik, die gut ist, während zu wenig Eigenes durchstrahlt.
Schade Kranade

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.