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0 Autor: Stefan Reuter

Slipknot - The End, So Far

The End, So Far
  • VÖ: 30.09.2022
  • Label: Roadrunner/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 355 - Schönheit der Ausgabe

"The End, So Far". Treffender als mit einem Cliffhanger hätten Slipknot ihr siebtes Album nicht betiteln können. Denn auch wenn bereits klar ist, dass er weitergeht, lässt die Band offen, welchen Weg sie ab jetzt nimmt.

"I know it's a shame/ But I gotta stay/ 'Cause I like it here", lässt Corey Taylor ganz am Ende im großen Finale der Platte wissen. Dessen grelle Kirchenchöre erinnern an "Unsainted", den ersten richtigen Song auf "We Are Not Your Kind". Wenn Taylor den Nachfolger nun als Erweiterung bezeichnet, trifft das nur so halb den Nagel auf den Kopf. Vielmehr nimmt das letzte Album für Roadrunner – daher der Titel – die darin an den Tag gelegte Freude am Ausprobieren und exerziert sie radikal weiter. Das extremste Ergebnis steht direkt zu Beginn: "Adderall" wäre sogar für Stone Sour zu soft, entpuppt sich aber als ein hypnotisierendes, vorsichtig progressives Stück Musik, in dem Alex Venturella zeigt, was für ein versierter Bassist er ist. Dank "The Dying Song (Time To Sing)" und "The Chapeltown Rag" ist nun schon länger bekannt, dass "The End, So Far" dennoch nichts für zarte Gemüter ist. Wenn Taylor inmitten des infernalischen "Warranty" also fragt "Isn't this what you came here for?", will man ihm ein aufrichtiges "Ja, verdammt!" entgegen brüllen. Auf der anderen Seite, möchte man Corey "But what does Corey Taylor think?" Taylor angesichts mancher Texte fragen, ob er sich nicht mal lieber an die eigene Nase fassen möchte: "You're such a tortured soul/ But I don't wanna hear about it/ You say you're not involved/ But all you do is talk about it." Sei's drum, Mick Thomson und Jim Root richten's schon, indem sie ihre Gitarren in "Hivemind", aus dem diese Zeilen stammen, nach wild gewordenen Killerinsekten klingen lassen, aufgestachelt von Jay Weinberg am Schlagzeug. Mit Songs wie diesen können Slipknot auch Maggots versöhnen, die sich nach "Iowa" zurücksehnen. Diejenigen, die "Vol. 3: (The Subliminal Verses)" lieben, werden allerdings noch glücklicher. Das ausladend angelegte "Medicine For The Dead", in dem Taylor sein "Drink me!" derart markerschütternd brüllt, dass das Kool-Aid auf Ex geht, der Metal-Blues "Acidic" und nicht zuletzt "De Sade" hätten auch darauf gut funktioniert. "Please, my sweet De Sade/ Just eat my heart out/ Twist me into knots", fleht Taylor in letzterem, während die Band um ihn herum ein Metal-Melodram aufführt, das sie in der Mitte genüsslich in den bewährten Horror umkippen lässt. Dass das alles längst nicht mehr die reine Lehre ist, ist müßig zu diskutieren. Die Frage, was wohl als nächstes kommt, ist wesentlich spannender.

Leserbewertung: 7.3/12

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