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0 Autor: Carsten Schumacher

Slayer - Christ Illusion

Christ Illusion
  • VÖ: 08.08.2006
  • Label: American
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 162 - Schönheit der Ausgabe

Nirgendwo sonst in der Musik macht die routinierte Anwendung einer erfolgreichen Formel so viele Menschen glücklich wie im Metal. Und mit was? Mit Recht natürlich.

Es ist schon etwas enttäuschend, dass diese CD keine 666 MB trägt, keine 666 Tracks hat oder wie eigentlich geplant am 06.06.06 (Tom Arayas Geburtstag) erschien. Der Metal pflegt seine Klischees mit Inbrunst, er hasst die Veränderungen. Slayer in der klassischen Besetzung (inkl. Dave Lombardo) mit Rick Rubin als Produzent und einem Cover von Larry Carroll. Wann gab’s das zuletzt? Bei "South Of Heaven". Und was damals gut war, kann heute nicht schlecht sein, denkt sich die treue Seele Metal. Und Slayer denken sich: Wenn wir schon so viele bewährte Trademarks zusammen haben, wo ist eigentlich unser "Angel Of Death"? Zack, Hannemann schreibt "Jihad". 9/11 aus der Sicht des Cockpits, das ist für Amerikaner wie der Holocaust vom KZ-Turm aus gesehen + X. In jeder anderen Musikrichtung wäre das kalkuliert, langweilig, ewig gestrig, out of fashion. Im Metal hingegen wird all das lächelnd akzeptiert, aber beim Riffing wird man streng. Auch dass der bekennende Christ Araya ständig "Hail Satan" und "Jesus is gore" schreit, ist kein Problem, aber wehe, er schwächelt in der Brüll-Technik. Tut er? Nein, alles läuft sehr trainiert. So trainiert, dass selbst Rick Rubin von einer Anwesenheitspflicht seiner selbst absah und die Studiopräsenz auf Kontrollbesuche reduzierte. Und trotzdem wird der Name Slayer eher größer als kleiner. Bei der letzten Fantômas-Tour verkaufte ihre Vorband T-Shirts, auf denen stand: "Tom Araya is our Elvis". Bela B. hat sofort eins gekauft und ist wiederum seinerseits schon damit aufgetreten. Der Spruch wirkt, weil er so absurd wie wahr ist. Slayer hatten nie einen Sündenfall wie Metallica in ihrer "Load/Reload"-Phase, man musste sich ihrer nie schämen wie für Maiden mit Blaze Bailey. Slayer standen durch Geschwindigkeit und Thementreue immer für eine Art Essenz. Dadurch verzieh man ihnen die markigen Ami-Statements, ihr glubschäugiges Unverständnis, warum Hakenkreuze denn nicht zum Spielen da sind. Und genau dadurch gehörten die 100 prozentigen Metaller Slayer paradoxerweise längst nicht mehr dem Metal allein. Musikalisch erleben wir hier kein zweites "Reign In Blood", die Platte bleibt sogar ein wenig hinter "God Hates Us All". Aber halten wir uns nicht mit Details auf – Slayer sind zurück. Gott schütze Slayer!

Leserbewertung: 5.0/12

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