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Depeche Mode - Exciter

Exciter

Neuer Produzent, hochmoderne Produktion und doch ist „Exciter“ vor allem eines: Ein Depeche Mode-Album. Ein schrecklich schönes sogar.

"When The Body Speaks" - so heißt das dezente Liebeslied mit warmen Synthiesounds und Cleangitarre, das einem schon beim ersten Hören die Schuhe auszieht: Unschuldige Schönheit, Wärme und Sehnsucht, perfekt vertont von dieser durch eine über 20jährige Geschichte gezeichneten Band. Depeche Mode sind wieder da und präsentieren sich so ausgeglichen und genügsam wie selten. "Exciter" ist kein Hitalbum wie "Ultra", kein offensives Stück Musik. Die neue ‘Homogenität’ ist unüberhörbar und die damit auch begriffliche Verwandtschaft zu Björks „Homogenic“ alles andere als Zufall: Marc Bell produzierte jenes Album, und Martin L. Gore bat den Mann zur Soundassistenz. Parallelen zu den losgelösten, orchestralen Arrangements der Isländerin begegnen dem Hörer so immer wieder, wie etwa beim majestätischen, tief bewegenden „I Am You“ oder dem atmosphärischen „Shine“, die beide obendrein durch eine fantastische Gesangsleistung Dave Gahans glänzen. Das offensichtlichste Lieblingslied „Freelove“ ist der Beweis dafür, dass „Exciter“ aller technischer Feinheiten zum Trotz so reduziert und fokussiert ist, wie es seit „A Broken Frame“ nicht mehr der Fall war. Apropos Vergangenheit: „The Dead Of Night“ wartet mit dem gleichen Soundgerüst wie „Personal Jesus“ auf, „Comatose“ und „Breathe“ sind die traditionell zeitlosen von Gore gesungenen Liebeslieder und „Goodnight Lovers“ erinnert mit seinen Chören an die zahlreichen religiösen Eckfahnen der DM-Karriere. „I Feel Loved“ klingt mit seinem mitreißenden Tempo und der dramatisch verzerrten Instrumentalpassage im Mittelteil gar wie eine moderne Version von „A Question Of Time“. Fazit: Der Spagat zwischen Moderne und Tradition ist einmal mehr geglückt. Nicht zuletzt aufgrund der Ideen eines der besten Songschreibers überhaupt und ihrer anscheinend nicht tot zu kriegenden Kreativität sind Depeche Mode eine Konstante in der Musikwelt. In all den Jahren haben sie nicht an Charakter verloren, sondern an Stil gewonnen.

Leserbewertung: 8.3/12

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