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0 Autor: Martin Burger

Black Rebel Motorcycle Club - Wrong Creatues

Wrong Creatues
  • VÖ: 12.01.2018
  • Label: Abstract Dragon/Pias
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 298 - Schönheit der Ausgabe

Resignation würde gewiss niemandem helfen. Der Black Rebel Motorcycle Club schreitet trotz allerlei Schicksalsschlägen immer weiter voran und wechselt den Filter über seiner unerschütterlichen Rockmusik von Schwarzweiß zu Sepia.

Der gleichnamige Typ Polyp, aus dem der Farbstoff gewonnen wird, könnte tatsächlich ein treffender Vergleich zum Rocktrio sein. Je nach Stimmungslage wechselt er sein Äußeres, ist entsprechend ein offenes Buch für alle, die sich ihm nähern und seine momentanen Lebensumstände sondieren. Nur sich selbst ist er offenbar ein Rätsel: Neutral formuliert könnte man sagen, dass Robert Levon Been und Peter Hayes neben ihren eigenen kleinen Schrullen von Beginn an Probleme mit dem Posten am Schlagzeug hatten. Nick Jago ist ein intensiver Charakter, er steuerte fahriges Artwork und einen ungezügelten Rhythmus zur Frühphase bei, bevor er wegen seiner Drogensucht zum On-Off-Mitglied wurde. Als nach "Baby 81" für ihn endgültig Schluss war, fühlten sich Been und Hayes, als wäre eine Kugelfessel von ihnen abgefallen. Jagos Nachfolgerin Leah Shapiro brachte Konstanz in den Output, war aber gesundheitlich anfällig. Ihre Geradlinigkeit am Schlagzeug hatte dennoch erheblichen Anteil daran, dass "Beat The Devil's Tattoo" und "Specter At The Feast" in Fankreisen als zwei der besten Alben der Band gelten. Beens Umgang mit dem Tod seines Vaters und Mentors Michael (The Call) transzendierte schließlich Retro-, Classic und stellenweise Psychedelic Rock hin zu einer im Bandkontext bislang unerhörten Gitarren-Epik, die beim Konsumenten etwas inmitten des Torsos aufgehen ließ. Ein Ziel, an dem 2008 das Gratisalbum "The Effects Of 333" noch grandios gescheitert war. Wie "Haunt" und "All Rise" demonstrieren, sind Wellen ebenjener Epik in verstärkten Ausbauten auf "Wrong Creatures" hinübergeschwappt. Shapiro, inzwischen genesen von einem Eingriff zur Behandlung einer Kleinhirn-Malformation, hält in Schach, was geht und kontrolliert die Ausbrüche mit sanfter Gewalt. Been erkundet seine seelischen Tiefs auch in den schnelleren Rockern, von denen es natürlich welche geben muss (wenngleich weniger als sonst), oder macht die angeschlagene Psyche einer dauernd tourenden Band in "Circus Bazooko" evident und tanzbar. Produzent Nick Launay (Yeah Yeah Yeahs, Nick Cave) weiß derweil, wie er die Regler zu stellen hat, wenn er den geflissentlich drapierten Gilb auf den Notenblättern hörbar machen will. Meilenweit entfernt vom pseudo-abgeklärten Biker-Rock der ersten Alben bewohnt "Wrong Creatures" im Wechsel zwei Glashäuser namens Hoffnung und Zweifel, ohne der Verzweiflung Tür und Tor zu öffnen.

Leserbewertung: 8.0/12

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