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Clowns - Lucid Again

Lucid Again
  • VÖ: 14.04.2017
  • Label: This Charming Man
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 290 - Schönheit der Ausgabe

Weiterentwicklung: Die australische Hardcore/Punk-Band hat ihre kurzen Kracher durch lange Songs ausgetauscht und die Aggressivität ein paar Grad zurückgefahren. All das steht Lucid Again, dem dritten Album der Clowns, ganz ausgezeichnet.

Wiederholung ist Stillstand und damit nichts für Clowns. Es reicht der Band ganz offensichtlich, dass sie bereits zwei Alben aufgenommen hat, die den Hardcore'n'Roll von The Bronx mit Straßenpunk und Thrash- sowie Oldschool-Hardcore-Elementen anreichern. Das Ergebnis in Form von "I'm Not Right" (2013) und "Bad Blood" (2015) ist eine einwandfreie Visitenkarte. Damit haben sich die bisher vier Jungs einen guten Namen, berüchtigten Ruf und begeisterte Fans gemacht. Nun haben sie eine deutliche Wandlung vollzogen. Das fängt schon beim Cover von "Lucid Again" an. Das sieht erstmals nicht mehr nach Punk oder Crossover-Thrash aus, sondern eher wie ein Indierock-Album aus den 80ern. Personell hat die Band außerdem aufgestockt und sich Bassistin Hanny J dazugeholt, die auch mal mitsingt und seit 2013 als Punk-Singer/Songwriterin in australischen Pubs und Bars unterwegs ist. Doch für die Songs, die Clowns für "Lucid Again" geschrieben haben, ist Zuwachs im Line-up notwendig: Eine zweite Gitarre musste her. Schließlich haben Fucked Up auch drei davon, mit denen sie Schicht auf Schicht türmen und ihren politischen Proleten-Punk-Pomp ins Unermessliche auftürmen. Das wollen Clowns jetzt auch. Nur neun Songs enthält "Lucid Again" – und sechs davon gehen viereinhalb Minuten und länger. Da wäre etwa der eröffnende Titeltrack. Der baut sich in Ruhe auf: Die Gitarren haben fast etwas von düsterem Western und Sänger Stevie Williams leiert im Hintergrund, bis nach eineinhalb Minuten endlich das Schlagzeug einsetzt, nach etwas mehr als 2:40 der Song wirklich losgeht und ab 3:30 dann auch nicht mehr so dumpf und lethargisch klingt, sondern sich windet und wild wirbelt, während Williams zu sich und seinem Geschrei zurückfindet. Ein dramaturgisch geschickter, überraschender Auftakt. "Like A Knife At A Gunfight", besonders "Pickle" und zum Abschluss das neunminütige "Not Coping" haben viel mit dem gemeinsam, was Fucked Up auszeichnet – oder aber die genialen Wipers in den 80ern: eine schier endlose Folge von Steigerungen, Feedbacks, Gitarrenschichten, monotonen, fast krautig mäandernden Strecken, die aber immer mitreißend und melodiös ist. Und mittendrin: Die bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte Hit-Single "Destroy Ze Evidence" und das wilde, eher an "Bad Blood"-Songs erinnernde "Painful Truth". Endlich mal Clowns, die nicht lachhaft sind.

Leserbewertung: 10.7/12

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