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0 Autor: Markus Hockenbrink

The Mountain Goats - Goths

Goths

Dass Goth nicht nur eine Musikrichtung, sondern auch ein Lebensgefühl ist, hat John Darnielle schon in diversen Medien verkündet. Jetzt auch auf einem Mountain-Goats-Album.

Wenn er eines Tages tot wäre, würde sein Bestatter sein blaues Wunder erleben, versprach Darnielle vor vier Jahren. Denn dann erst würde man seine Mercyful-Fate-Tattoos entdecken, die er nur wenigen zu Lebzeiten zu zeigen gedenkt. Natürlich sind Merciful Fate eher Metaltypen als Gruftis, doch gerade diese Grenze ist auch im neuen Roman des Obergoats fließend. "Universal Harvester" handelt davon, dass ein Videothekar aus den 90ern gruselige Amateurfilmsequenzen mitten auf seinen Verleihkassetten findet, und "Goths" funktioniert nach ähnlichem Prinzip. Das aufgeräumteste Mountain Goats-Album aller Zeiten schildert Szenen aus der Szene auf wahrlich untote Art: mit Chor, Klavier und Klarinette und so viel Namedropping wie nie zuvor. Von Andrew Eldritch über Billy Corgan bis zu Red Lorry Yellow Lorry werden alle erwähnt, die schon mal überlegt haben, in eine Fledermaus zu beißen. Darnielle ist nach wie vor in feiner Form, was tolle Texte angeht, nur die thematische Klammer lähmt auf Dauer. Ähnlich wie auf seiner vorherigen LP über mexikanische Wrestler steht das Konzept der Freiform im Weg, die etwa "All Eternals Deck" so rätselhaft gemacht hatte. Die Postkarten, die "Goths" versendet, sind dagegen alle schon vor dem Urlaub geschrieben worden. Schön sind sie trotzdem, und zwar nach Art eines Musical-Besuchs. „It gets real nice around the graveyard/ once you’ve acquired the taste“, singt Darnielle, kurz nachdem er sich darüber beklagt hat, dass es in Kalifornien nie wirklich dunkel und kalt würde.

Bewertung: 7/12

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