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0 Autor: Markus Hockenbrink

The Mountain Goats - Beat The Champ

Beat The Champ

Der Schriftsteller John Irving bezieht seine Inspiration aus dem Boxsport, Mountain Goat John Darnielle dagegen aus dem Wrestling. Ein Glück für uns alle.

Als Kind hockte er vor dem Fernseher und sah sich die inszenierten Kämpfe an, mit spanischem Kommentar, auf einer mexikanischen Fernsehstation, die man nur in Texas empfangen konnte. So komplex das echte Leben, so eindeutig die Gut-Böse-Dramaturgie der Tag-Teams: „You let me down/ but Chavo Guerrero never once did.“ Doch natürlich ist "Beat The Champ" nicht das nostalgische Rendezvous eines Mannes mit seinem inneren Kaninchenzüchter, sondern eine beinahe schriftstellerische Übung, die man sich so auch als Uni-Seminar vorstellen könnte. Spätestens beim vierten Song vergisst man die thematische Klammer und ordnet die Platte gleichwertig in Darnielles bisherige Ausnahme-Diskographie ein, die einem Ensemble halbmythologischer Durchschnittsbürger durch die US-amerikanischen Weiten folgt. Das Songwriting ist oft minimal, für Mountain-Goats-Verhältnisse aber stellenweise üppig instrumentiert und wie immer auf die Texte zugeschnitten, die songorientiertes Storytelling auf sehr hohem Niveau präsentieren. Als wahre Vertreter des diffus gewordenen Begriffs Kultband lädt auch The Mountain Goats’ schätzungsweise 20. Album unaufdringlich zur Fanfreundschaft ein. Künftige Anhänger erwartet dann ein etwa zweijährliches Treffen mit einem charmanten Musikliteraten, dessen Scherze generationenübergreifend ankommen. Wenn’s nicht klappt, ist es natürlich auch nicht schlimm, sondern nur gefährlich. Wie heißt es beim Wrestling oder zumindest in "Foreign Object"? „If you can’t beat them/ make them bleed like pigs.“

Bewertung: 8/12

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