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0 Autor: Matthias Möde

Ash - Kablammo!

Kablammo!
  • VÖ: 22.05.2015
  • Label: earMUSIC / edel
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 267 - Schönheit der Ausgabe

"Kablammo!" – das erste richtige Ash-Album nach acht Jahren klingt als seien die letzten 19 nicht vergangen. Nach der nicht enden wollenden Singles-und-Compilation-Magerkost war mit diesem grandiosen Nostalgietrip nicht zu rechnen.

Wenn man es genau nimmt, hatten sich Ash mit "Twilight Of The Innocents" (2007) schon einmal auf Power-Pop-Indierock besonnen und sich nach dem durchaus gelungenen, aber etwas aufgesetzt hart rockenden "Meltdown" (2004) wieder auf die 90er berufen. Damals hatten Ash ihre Pop-affinen Songs wie "Girl From Mars", "Kung Fu" oder "Oh Yeah" in Indie-Punk-Schale gespielt und 1996 mit ihrem zweiten Album "1977" den Durchbruch geschafft – das Debütalbum "Trailer" hatte dieses Potential zuvor schon angedeutet. Zwei Jahre nach "1977" versackte "Nu-Clear Sounds" allerdings etwas im Mittelmaß, mit "Free All Angels" und darauf enthaltenen Songs wie "Shining Light" oder "Burn Baby Burn" zeigte die Kurve 2001 aber wieder deutlich nach oben. Ash konnten die Leichtigkeit von "1977" zwar so schnell nicht wieder einfangen, wirklich schlimm war aber nur, was sie nach "Twilight Of The Innocents" unter die Leute brachten: ein Best Of und zu viele elektronisch gefärbte Singles auf der "A-Z Singles-Series". 2014 veröffentlichte Frontmann Tim Wheeler sein musikalisch langatmiges Solo-Debütalbum "Lost Domain", das sich mit dem Tod seines demenzkranken Vaters beschäftigt. Wer 2015 da noch auf eine überzeugende Rückkehr von Ash gewettet hätte, wäre damit ziemlich allein gestanden – nach dem vorab veröffentlichten Albumtitel und Cover sogar verdammt einsam. Ein Titel wie "Kablammo!" und dazu eine Explosion im Comicstil – ist das Ashs Ernst? Ist es! Der knapp zweieinhalbminütige Opener "Cocoon" fegt die nicht vorhandenen bis schlechten Erwartungen mit einem unverschämt unwiderstehlichen Refrain und herrlich schrammelnden Gitarren weg. Diesen Song hätten Ash vor 20 Jahren kein bisschen besser aufnehmen können. Und es geht genauso agil weiter auf "Kablammo!": "Let’s Ride" würde sich auf jedem guten Weezer-Album wunderbar machen und "Machinery" wird dank seiner Melodieseligkeit in vier Minuten nicht einmal ansatzweise langweilig. Das Dutzend neuer Songs hält mit "Shutdown" und "Hedonism" weitere Hits, mit "Moondust" und "For Eternity" gewagt balladeske Songs bereit. Das einsame Finale bestreitet der etwa dreiminütige 80er-Schmuse-Song "Bring Back The Summer", der im Kontext dieses grandiosen Albums einfach nicht ganz ernst gemeint sein kann. Aber das tut nach gelungenen 37 Minuten nicht weh, besonders dann nicht, wenn von vorne anfangen so viel Spaß macht.

Leserbewertung: 9.0/12

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