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0 Autor: Martin Iordanidis

Filter - The Trouble With Angels

The Trouble With Angels
  • VÖ: 24.09.2010
  • Label: Nuclear Blast/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 211

Nach dem Suff ist bei Richard Patrick die Psychoanalyse dran. Filters Sound macht das nicht zwingend spannender. Die Ratio aus Pop und Härte kommt aus dem Mittelmaß zu selten heraus.

Die extremen Pole seiner Persönlichkeit lotet Patrick schon seit "The Amalgamut" musikalisch aus, und etwa seit der gleichen Zeit macht man ihm das auch zum Vorwurf. Trotz Patricks teils verhängnisvollen Egotrips ist Filters Kernschmelze aus elektronisch frisiertem Cyber-Metal und Charts-Sehnsucht nicht sinnfrei. Anders als auf "Anthems For The Damned" bleiben die leise tretenden Songs auf diesem Album überschaubar, nur drei Mal darf man still in Patricks Seele blicken. In "Fades Like A Photograph (Dead Angel)" berührt das den Hörer tatsächlich – selten hat Patrick so viel Schönheit in seinen Texten zulassen können. Auch "Clouds" und "No Re-Entry" dürften den Balladen-Hassern Gründe zum Lästern liefern, wobei der letzte Song immerhin ehrenvoll bei Pink Floyd abschaut. "Drug Boy" ist ein klassischer, aufgeregter Filter-Song, die herunter gestimmten Gitarren und verzerrten Vocals finden erst in einem lichten Refrain Erlösung. "Absentee Father" feiert die wüste Hochzeit zwischen einer Gitarre und einer Bohrmaschine. Das ist einer der wenigen Momente auf "The Trouble With Angels", in denen Filter ihre Verwandtschaft mit dem Industrial noch einmal offen zeigen. "No Love" ist, was die Riffs betritt, ein Verwandter von Rammstein und den späteren Ministry. Auch hier bleibt ein den Hitparaden aufgeschlossener Refrain vorhersehbar. In der Wohlfühl-Argumentation nennt man so etwas Eklektizismus. Wir nennen es Borderline-Syndrom. Patrick hat als Songwriter mit chronisch unberechenbarer Tagesform gelernt, damit umzugehen.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 6.0/12

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