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0 Autor: Sascha Krüger

Filter - Anthems For The Damned

Anthems For The Damned

Nach fünf Jahren Filter-Pause macht Richard Patrick da weiter, wo er zuletzt aufhörte:

Härte, kombiniert mit möglichst viel Pop-Appeal. Zwingend ist das nicht mehr. Was waren die Fans ernüchtert, damals im Jahre 2003, auf dem letzten Bizarre Festival, zugleich dem letzten deutschen Live-Besuch von Richard Patricks Lebensinhalt Filter. Die vorangegangenen Interviews zu "The Amalgamut" ließen es schon vermuten, hier gab's Bestätigung: Der Kerl war voll druff. Sein überdimensionales Ego stand reziprok zu seinen Qualitäten als Frontmann und Sänger. Kurz: ein Trauerspiel. Zwei Jahre später traf ich ihn zufällig in einem Café In Los Angeles; lächelnd saß er vor einer Flasche Pellegrino, auf einen kurzen Smalltalk folgte der Ausruf: "Erzähl Deutschland, dass ich clean bin! Es geht wieder nach vorn!" Nun, soweit erst mal richtig – nachdem er im letzten Jahr mit den beiden DeLeo-Brüdern, die mal die treibende Kraft hinter den Stone Temple Pilots waren, die tendenziell überflüssigen Army Of Anyone aus der Taufe hob, schiebt er nun das vierte Filter-Studioalbum nach. Jenes setzt konsequent die Richtung fort, die sich schon mit dem Vorgänger abzeichnete: Man mag gern Pop sein, ohne wirklich Pop zuzulassen. Klar, die Gitarren fetzen wieder mal wie eine solide Schubdüse – hier gehen die Credits an Breitwand-Gitarrenproduzent Josh Abraham (Slayer, Velvet Revolver). Die Drums peitschen megafett, Patrick singt, schmettert und sehnt seine dicken, zuweilen fast schlagerhaft anmutenden Melodien aus der Kehle. Es ist eine Platte, die so sehr middle of the road sein möchte wie das nur geht mit harten Gitarren, die wiederum Credibility versprechen. All das mag in den Staaten ausgezeichnet funktionieren, auch dank der aktuellen Besetzung aus Celebrity-geschulten Mitstreitern wie Josh Freeze an den Drums, John 5 an der Gitarre und Wes Borland am Bass. Dabei sind nicht nur die Musiker wie eine Best Of des Alternative-Mainstream; auch die Platte selber wäre gern eine Art "größte Hits"-Sammlung – nur dass eben die echten Hits fehlen. Patrick selber hat es wohl am treffendsten umschrieben, was "Anthems For The Dead" am Ende ist: "Sie klingt wie eine harte U2-Platte." Selten gingen Wahrheit (den hochpolierten Sound der Platte betreffend) und Wunschdenken (in Bezug auf die fehlende Qualität des eigentlichen Songwritings) eine derart treffende Melange ein. Fazit: nicht schlimm, partiell auch noch dicht, da dick – zumeist aber auch herzlich unnötig und künstlerisch ernüchternd egal.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 6.3/12

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