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0 Autor: Carsten Schumacher

Earth - Hex; Or Printing In The Infernal Method

Hex; Or Printing In The Infernal Method
  • VÖ: 20.10.2005
  • Label: Southern Records/Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 152

Entschuldigung, kennen Sie Drone Rock? Earth sind u.a. auch dafür verantwortlich, klingen heute aber wieder ganz anders.

Manche mögen bei Earth noch an den Namen denken, den sich Black Sabbath gaben, bevor sie Black Sabbath hießen. Earth – das klingt archaisch. Und tatsächlich beginnt die Earth-Story im Staat Washington, in einem kleinen Städtchen mit Namen Olympia. Man schreibt das Jahr 1990, Bandgründer Dylan Carlson ist ein Freund von Kurt Cobain, der ebenfalls Teil seiner Band wird, obwohl er natürlich ziemlich bald keine Zeit mehr für solche Seitenstraßen hat. Doch auch Earth sind den Drogen nicht abgeneigt, experimentieren wild herum, haben immer wieder Ärger mit ihrer Drum-Machine. Als sie eines schönen Tages für eine Speedmetal-Band eröffnen sollen (MTV ist da, um aufzuzeichnen), entfährt dem Gerät der letzte Seufzer, und die Band steht nackt da. Und Dylan Carlson spielt einen offenen Akkord. 35 Minuten lang. Das Publikum gerät in Rage, reckt Fäuste, brüllt "you suck" in lauten, rhythmischen Chören. Doch Earth haben ihren Stil gefunden. Es folgt eine äußerst wechselhafte Geschichte, inkl. Sub-Pop-Vertrag, Verlust von Neumitglied Joe Preston an die Melvins, Rückgewinnung von Preston, einem verzweifelten Label, das sie in letzter Instanz dropt, und irgendwann einfach Stille. Den Staffelstab hatten andere aufgenommen. Analog-Synthesizer, wie sie die Band zu Beginn verwandte, waren inzwischen in Mode, das spätere Trademark, die massiven Gitarrenwände, auch. Während Mogwai im Anschluss Orchestralversionen dessen schufen, was so Lo-Fi begonnen hatte, bringen Sunn O))) den Earth-Sound zeitgemäß zur Vollendung. Bis auf die Tatsache, dass mit dem Namen Cobain zu jeder Uhrzeit Geld zu machen ist, gerät der Name Earth bis auf das plötzliche Erscheinen eines Live-Albums im Jahr 2000 wieder völlig in Vergessenheit. Umso überraschender das Studioalbum fünf Jahre später: Statt der Tatsache Rechnung zu tragen, dass gut sortierte Plattenläden mittlerweile aus einem Drone-Rock-Fach heraus gut verkaufen, hat Dylan Carlson, haben Earth erneut die Richtung gewechselt. Plötzlich existieren wieder Songs und es klingt, als habe der Gitarrist in der Zwischenzeit den Verzerrer zum Pfandleiher bringen müssen. Düster, countryesk, Neil Young, Morricone, "Dead Man". Vorbei das Dröhnen, das Donnern, der Sturm der Feedback-Frequenzen. Alles ist fort, der Ruhe gewichen. Wie eine traumartige Sequenz im Innern, die zuließe, dass es jederzeit wieder losbricht.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 10.5/12

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