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0 Autor: Alex Brandt

Melvins - Houdini (Platten der Neunziger)

Houdini (Platten der Neunziger)
  • VÖ: 24.09.1993
  • Label: Atlantic
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 82 - Schönheit der Ausgabe

Das vielleicht zugänglichste Album der Krach-Götter, die ihre ganz eigene Version von Metal erfunden haben.

Wahrscheinlich wird nicht jeder meine Ansicht teilen, dass die Melvins eine der wichtigsten Rockbands der Neuzeit sind. Viele halten die großartigen Drei aus San Francisco einfach für ausgewachsene Spinner, deren wechselhaften Outputs man mit normalem Menschenverstand nicht folgen kann. Bezeichnend ist jedoch, dass viele Musikerkollegen - von Kurt Cobain bis hin zu Beck - die Melvins verehren. Ich liebe diese Band, seit ich sie zum ersten Mal live gesehen habe, als ein ambitionierter Tourveranstalter sie in einer Sauerländer Discothek spielen ließ, wo sie alles in Grund und Boden lärmten und die ca. 20 Anwesenden gnadenlos überforderten. Die alles niederwalzende Wucht und der knochentrockene Sound der Melvins, die sie auf „Houdini" wohl am konsequentesten in ihrer Laufbahn auf den Punkt gebracht haben, ist bis heute unerreicht - schon wenn das erste Riff des Openers „Hooch" ertönt, nickt mein Kopf unweigerlich nach vorne. Das ist Metal, wenn auch natürlich die ganz Melvins-eigene Art von Metal. Meistens zu langsam, immer seltsam verkürzt und mit einem dreckigen Lachen im Gesicht. Metal, der Humor (eine Eigenschaft, die in diesem Genre ansonsten eher tabu ist) nicht nur zulässt, sondern ihn kultuviert, ohne dabei jemals Parodie zu sein - auch das auf „Houdini" enthaltene, großartige Kiss-Cover „Going Blind" ist nicht als solche zu verstehen. Das muss den Melvins erst mal jemand nachmachen. Götter - auch, wenn ihre folgenden Platten nie wieder so ganz die Form von "Houdini" erreichten.

Leserbewertung: 10.3/12

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