Zur mobilen Seite wechseln
1 Autor: Daniel Gerhardt

John Frusciante - Curtains

Curtains

Einer geht noch: John Frusciante beendet seine 2004er Solo-Saison mit leichter Verspätung und einer weiteren Platte voll eigenwilliger, eigenbrötlerischer Traumtaten.

Es ist ein bisschen, als würde man hypnotisiert. John Frusciante zählt ein, "1, 2, 3, 4", und wenn man wieder zu sich kommt, ist "Curtains" lange gelaufen, aber keineswegs vergessen. Nachdem der arbeitswütige Chili Peppers-Gitarrist sich zuletzt mit Companero Josh Klinghoffer in wüsten Krautrock-Bildern geübt hatte, stehen diesmal wieder größtenteils schnörkellose Songs auf seinem Spickzettel. "Curtains" ist zwar nicht das pure Unplugged-Album geworden, als das es zwischenzeitlich angesagt worden war, dafür hat Frusciante seine fransigen Gitarrensoli nach wie vor viel zu lieb. Dank reduzierter Arrangements und weitgehendem Schlagzeugverzicht ist es aber dennoch von einer inneren Ruhe beseelt, wie sie aus seiner Soloserie im letzten Jahr höchstens noch der bisherige Klassenbeste "The Will To Death" vorweisen konnte. Meist konzentrieren sich die Songs auf Akustikgitarre und nur ein weiteres Instrument, im traumwandlerischen Opener "The Past Recedes" etwa eine Mundharmonika, während das bedrückte "The Real" von kaum mehr als einem grollenden Kontrabass gestützt wird. Was diese elf Songs aber erst so fesselnd und vielleicht sogar zu den besten der zuendegehenden Alben-Serie macht, ist ihre unwirkliche, kaum zu greifende Atmosphäre, die eben nur jemand kreieren kann, der für und in seiner Musik lebt. Der Vorhang jedenfalls, er fällt nach einem würdigen Ende. Applaus und Danke. Noch was? Ach ja: Zugabe!

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 10.8/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Kommentare (1)

Avatar von godblow godblow 09.01.2010 | 22:37

Diese Kritik stimmt mich doch endlich versöhnlich. Ob es jetzt einen Punkt mehr oder weniger sein kann oder sein muss, spielt hier wirklich keine Rolle. Es ist getan. Und es ist gesagt. Was gesagt sein musste. Und Gott hörte, dass es gut war.... Die geistigen Väter des Werkes in unserer Erinnerung hervorgerufen, schallt es uns an, und immer wieder denken wir: das ist doch ... ja ... jetzt mal ehrlich ... irgendwie ... Cat Stevens. In Rock. In gut. In ... endlich mal ohne Schmalz und Pathos. So geht es auch! Und wieder lernen wir: es ist nur wenigen beschert. Das Musizieren. Das ernsthafte, künstlerische Musizieren. Und wir erkennen: nur wer seine Hausaufgaben gemacht hat, der kann auch etwas leiten. Für die Zukunft. Für die Kunst. Ich freu mich schon auf mehr....... (nicht dass jetzt einer denkt, ich habe meine Hausaufgaben nicht gemacht. Ich kenne auch das verschrobene, kaum hörbare Werk des Herrn Frusciante. Und dennoch, nein, gerade deshalb ziehe ich meinen Hut vor dem Werk des Mannes mit dem unglaublichen Output, weil ich Platten wie Curtains und The Will To Death hören durfte). Danke...

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.