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1 Autor: Patrick Großmann

John Frusciante - The Will To Death

The Will To Death
  • VÖ: 22.06.2004
  • Label: Record Collection/WEA
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 137

Das kann ja heiter werden: Gleich die zweite der allesamt für 2004 angekündigten sechs Solo-Scheiben des rastlosen Peppers-Gitarreros erweist sich als fahriger Schnellschuss.

In aktuellen Interviews hat John Frusciante beharrlich darauf verwiesen, dass er das weltliche Ende nicht fürchte. Im Gegenteil: Er sehne es herbei. Nach der verbalen Äußerung folgt jetzt die musikalische Bestätigung. Denn das minimalistische "The Will To Death", entstanden im Doppelpass mit Kumpel Josh Klinghoffer und "recorded as if it were 1971", ist exakt, was sein Titel verspricht: das verstörend offene LoFi-Dokument einer ins Quasi-Religiöse verklärten, zum Daseinsziel erhöhten Todessehnsucht. Ob in "A Doubt" ("We all choose to live life/ we confuse how with why"), "Time Runs Out" oder im einfühlsam gesungenen Titeltrack ("The will to death is what keeps me alive/ it's one step away") – unverstellter hat Frusciante seiner spinnerten Philosophie bislang nirgendwo Ausdruck verliehen. Was wenig daran ändert, dass die augenscheinliche Dringlichkeit des Sujets den Komponisten Frusciante streckenweise zu überfordern scheint: Unfertig und schludrig inszeniert wirken manche dieser Lieder abseits des Gesangs. Hauptsache, es rumpelt. Hier und da rumpelt es zur Abwechslung Drum-technisch gar nur auf einem Kanal, was den Einsatz von Kopfhörern zum Martyrium werden lässt. Da mag der Mann noch so oft beteuern, dass erst in Fehlern, im rasch Hingeworfenen wahre Größe sich zeige: Die Substanz muss stimmen, und die hatte diesmal zusammen mit der Inspiration – abgesehen von einigen Lichtblicken wie der an Cat Stevens erinnernde Wehklage "Unchanging" oder dem herzzerreißenden "Loss" – leider öfter Urlaub. Wer sich thematisch in dieser Platte wiederfindet, der wird sie verehren. Mir ist diese Welt zu schwarz. "It's a pleasure to die/ a pleasure to be gone." Viel Spaß dann noch, Dude.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 10.1/12

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Kommentare (1)

Avatar von godblow godblow 09.01.2010 | 22:13

Na ja, ich würde sagen, da hat sich der Rezensent mal so richtig schön vertan.
Ist ja eigentlich nicht weiter schlimm, aber in diesem Fall bin ich schon enttäuscht ob der Urteilsfähigkeit Eurer Rezensenten.
Was Herr Frusciante hier abliefert, ist über jeden Zweifel erhaben. Das ist tatsächlich das ganz große Rockkino. Jeder, ja jeder Song ist hier in sich und im Verlauf der Platte schlüssig, sowohl textlich als auch musikalisch.
Ich brauchte damals nur einen Hördurchgang, um zu verstehen, dass mich diese Platte lange nicht mehr loslassen und begleiten würde.
Der einzige Schnellschuss den ich hierbei erkenne, ist diese unsägliche Rezension.
Danke John...

P.S.: Die Chili Peppers haben John eine Menge zu verdanken. Ohne sein Songwriting wären sie langweiliges und mittlerweile völlig überholtes Funkgeschwurbel mit überflüssigem Sprechgesanggenöhle (vgl. die ersten beiden Peppers Platten oder den Uplift Mofo Party Plan). Dennoch und vielleicht weil inzwischen bereits alles gesagt ist, ist die Entscheidung die Peppers zu verlassen genau richtig. Mach weiter so, John. Wandle auf Solopfaden und mach den nächsten Schritt.

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