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0 Autor: Tino Hanekamp

Calexico - Feast Of Wire

Feast Of Wire

"Wrapped with wire, tapped to the heart": Joey Burns und John Convertino haben die Geschichten ihrer Heimat in einem königlichen Klang-Kaleidoskop vertont und das erste Meisterwerk des Jahres kreiert. Praise them!

Tucson, Arizona. Der Westen, früher war er wild. Heute breiten sich die Vorstädte aus, wie die Ölteppiche der ‚Prestige’. Die Herzen der Städte sterben. Die kleinen Farmer und Rancher kapitulieren vor der industrialisierten Landwirtschaft. Tragödien allüberall. Das Leben eine Last. Einer rast mit dem Auto über eine Klippe, der andere geht in die Wildnis, baut eine Maschine und fliegt davon im ersten Licht des neuen Morgens. Joey Burns und John Convertino leben hier, sie lieben dieses Land und seine Geschichten. Und sie leben für Musik. Sie vertonen, was sie umgibt. Sie sind Calexico und haben mit „Feast Of Wire“ ihr definitives Meisterwerk geschaffen. Was als Nebenprojekt begann, ist mittlerweile eine erfolgreiche Band mit wechselnden Gastmusikern, die ohne Marketing-Maschinerie Tausender-Hallen füllt und Hausfrauen wie Skater-Kids gleichermaßen euphorisiert. Auf ihrem 1996 auf ‚Hausmusik’ erschienen Debüt probten sie, auf dem 98er Werk „The Black Light“ erfanden sie sich selbst, mit dem zwei Jahre später erschienenen „Hot Rail“ kamen sie der Perfektion ein Stück näher. Und nun, mit „Feast Of Wire“, haben sie ein Album aufgenommen, das in seiner zerbrechlichen Schönheit einzigartig ist. Ein Klassiker, schon jetzt. Es beginnt mit „Sunken Waltz“, wo sich ein Akkordeon im Walzertakt wiegt, eine staubige Akustik-Gitarre verhalten ächzt, während Joey Burns mit warmer Stimme die Geschichte singt von dem, der die Maschine baute und davonflog. „Quattro (World Drifts In)“ folgt mit leichtem Upbeat-Rhythmus, den Bläsern der Mariachis und einem zärtlichen Refrain. „Stucco“ ist ein spartanisches Instrumental und führt uns zum ersten Höhepunkt: „Black Heart“. Tindersticksche Streicher tragen Burns’ Stimme in diesen herzzerreißenden Wehgesang. „Pepito“ ist wieder ein Instrumental, klingt weit mit Slide-Gitarre und basiert auf einem simplen Akkord. Und dann die Geschichte vom Mann, der über die Klippe ins Blaue rast, „Not Even Stevie Nicks...“ kann ihn retten. Ein Selbstmord-Song, der Hoffnung bringt. „Close Behind“ ist der Spaghetti-Western-Morricone-Lautmalerei von „The Black Light“ am nächsten – und wieder diese Streicher und Bläser, diesmal jubilierend, das Leben feiernd. Was dann kommt, verschlägt einem den Atem.

Leserbewertung: 11.2/12

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