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0 Autor: Jakob Uhlig

Enter Shikari - Nothing Is True & Everything Is Possible

Nothing Is True & Everything Is Possible

Nach einer kurzen Findungsphase haben Enter Shikari das großartige Pop-Album geschrieben, das man sich schon von "The Spark" erhofft hatte. Darüber hinaus ist "Nothing Is True & Everything Is Possible" aber auch noch eine bissige Klimawandel-Dystopie.

Es ist wirklich bemerkenswert, welche Entwicklung Enter Shikari seit Beginn ihrer Karriere 1999 vollzogen haben. Aus der einstigen Schülerband, die auf ihrem Debütalbum "Take To The Skies" (2007) noch so herrlich unverfroren und blindlings Gaga-Hardcore und Rave-Elemente zusammengeworfen hatte, ist mittlerweile einer der künstlerisch spannendsten Exporte Großbritanniens geworden. Bisher einziger Wehrmutstropfen in dieser spannenden Laufbahn ist das 2017 erschienene Album "The Spark", das zwar ein paar Highlights zu bieten hatte, im Großen und Ganzen aber das enorme Wendungsreichtum der zuvor veröffentlichten Platten gegen Pop-Uniformität eintauschte. "Nothing Is True & Everything Is Possible" stellt seinem Vorgänger nun aber sogar das kreativste Enter-Shikari-Album überhaupt entgegen. Mithilfe verschiedenster musikalischer Höhen und Tiefen karikiert die Band dabei mit sehr viel Geschick das Handeln der Politik in der aktuellen Klimadebatte und dessen Scheitern an Pseudo-Wissenschaft und Fake News. "Waltzing Off The Face Of The Earth" etwa ist ein tief sarkastischer Kommentar über die Verdrängungsmechanismen der Klimawandel-Leugner und steigert sich musikalisch in orchestrale Gefilde, bis der Song schließlich bezeichnend sorglos in einem trockenen Jazz-Walzer austänzelt. Das in zwei Sätze unterteilte "Marionettes" klingt in seiner Eröffnung wie eine verrauchte Bond-Ballade mit Dubstep-Elementen und mündet schließlich in ein wildes Wechselspiel aus verquerer Elektronik und breit-armigem Alternative-Refrain. Daneben steht eine lupenreine Pop-Single wie "The Pressure's On", die inmitten wabernder Synthesizer-Nebel den Wunsch nach Befreiung aus unserem globalen Dilemma ausdrückt. Für "Elegy For Extinction" haben sich Enter Shikari sogar das Prager Symphonieorchester herangeholt und lassen rein instrumental das Ende der Menschheit erklingen, indem sie die eröffnend-triumphalen Fanfaren des Stücks in dessen Verlauf zunehmend in dissonantes Moll zerfallen lassen. "Nothing Is True & Everything Is Possible" demonstriert so kontinuierlich mannigfaltiges musikalisches Ideenreichtum, das Pop-Anleihen ebenso wenig wie alles andere scheut, durchweg grandios funktioniert und darüber hinaus zum Kommunikationsmittel einer Band wird, die nach wie vor viel zu sagen hat. Ein wichtiges Album in unsteten Zeiten und eine fulminante künstlerische Machtdemonstration.

Leserbewertung: 1.0/12

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