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0 Autor: Dennis Plauk

Chris Cornell - Chris Cornell

Chris Cornell

Die erste postume Werkschau Chris Cornells hat die schwierige Aufgabe, seine wegweisenden Jahre mit Soundgarden ebenso abzubilden wie seine durchwachsene Solokarriere. Doch es sind vor allem die bislang unveröffentlichten Stücke im letzten Drittel, die einem Tränen in die Augen treiben können.

Zunächst allerdings arbeitet sich die von Cornells Witwe Vicky kuratierte 4-CD-Compilation chronologisch durch die mal mehr, mal weniger offensichtlichen Highlights von Cornells Dauerbeziehung Soundgarden, dem zuletzt reanimierten Tribute-Projekt Temple Of The Dog und der anfangs überragenden Supergroup Audioslave. In kreativer Hinsicht sind diesen Songs die von Cornells 1999er Solodebüt "Euphoria Morning" gewachsen; seine darauffolgenden Irrfahrten durch Pop und R'n'B hingegen schneidet die Werkschau lediglich der Vollständigkeit halber an. Besser so, denn auch mit dem Abstand von fast einem Jahrzehnt fällt es schwer, in einer klinisch-elektropoppenden Luftnummer wie "Scream" etwas anderes zu erkennen als die Verschwendung einer Ausnahmestimme. Die wiederum ist im mehr als versöhnlichen Schlussdrittel der Sammlung so intensiv und brillant in Szene gesetzt, dass die Vorstellung schmerzt, sie nie wieder live erleben zu können: Die hier versammelten Konzertmitschnitte aus Cornells letzten Lebensjahren lassen hören, dass er gerade als Solomusiker zuletzt seine Stärke wiedergefunden hatte – und es ist tragisch, dass ihm zur gleichen Zeit die Kraft im Kampf gegen die inneren Dämonen immer mehr fehlte. Seine Coverversion von Cat Stevens' "Wild World" im Duett mit dem Urheber ist ebenso meisterhaft wie die des furiosen "Sgt. Pepper's"-Finales "A Day In The Life", den wahren Geniestreich setzt aber sein "One"-Zwitter: Über der Melodie der U2-Ballade singt er den Text des gleichnamigen Metallica-Brechers – ein Mash-up für die Ewigkeit. Rührender wird es nur noch im gemeinsam mit seiner Tochter Toni gesungenen "Redemption Song" von Bob Marley. Cornells Sohn Chris indes tritt nun im Video zum wunderschönen "When Bad Does Good" in Erscheinung, einem Fundstück aus dem augenscheinlich üppigen Fundus unveröffentlichter Solosongs und unangefochtenes Herzstück dieser Compilation. Überhaupt profitiert sie vom Mitwirken engster Freunde des Verstorbenen: Im Booklet führt Kim Thayil so ausführlich wie unsentimental durch Cornells Karriere; Matt Cameron, Mike McCready, Tom Morello und Brendan O'Brien folgen mit Würdigungen. Auch das gelungene und aufwendig umgesetzte Artwork stammt von einem der ältesten Seattle-Kumpels Cornells, Jeff Ament. Eine Großveröffentlichung mit familiärem Vibe, ein Lebewohl, aus dem mehr Dankbarkeit als Trauer spricht.

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