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A Perfect Circle - Eat The Elephant

Eat The Elephant

Wenn die ganze Welt schreit, senkt Maynard James Keenan die Stimme: A Perfect Circles Comeback-Album kommt aus einer kritischen Stille - und ergreift dann so klar und unmissverständlich wie noch nie das Wort.

Schon A Perfect Circles drittes, vor 14 Jahren erschienenes Album "Emotive" gerierte sich hochpolitisch. Die Band bewahrte sich dort jedoch jene mysteriöse Aura, mit der sie sich als luftigere Alternative zur gern apokalyptischen Prog-Metal-Urgewalt von Tool etabliert hatte. Die neue, vierte Platte dagegen hat etwas sehr Weltliches: "Eat The Elephant" formuliert und adressiert seine Sozialkritik expliziter, als man es von Frontmann Keenan bisher kannte. Am deutlichsten wird das in den Singles: "The Doomed kontert die soziale Kälte mit einer zornigen, nihilistischen Verkehrung der biblischen Bergpredigt. In "Disillusioned" drängt Keenan unzweideutig den digital vernetzten Menschen, seine Entfremdung zu überwinden und sich wieder seiner Umwelt zuzuwenden. Und in "TalkTalk" fordert er die Gottesfürchtigen auf, das Schicksal der Welt in die Hand zu nehmen, statt nur zu beten, denn: "You‘re waiting/ On miracles/ We‘re bleeding out." Diese Klarheit der Sprache stützt ein Sound, der in der Ruhe die Kraft findet: "Eat The Elephant" beginnt mit einem Beat auf der offenen Hi-Hat und schweren Klavierakkorden fast jazzig, der ganze folgende Titelsong unterläuft in seiner meditativen Zärtlichkeit die Erwartung des Hörers – er ist auf sich zurückgeworfen. Auch sonst trägt das Klavier grob die Hälfte der Songs, immer wieder paart es sich kongenial mit dem Inhalt: Wenn "Disillusioned" die Pause vom digitalen Bildschirm-Glimmen einfordert, verstummt bis auf ein paar Klaviertöne alles, ein Drittel des Tracks widmen A Perfect Circle der Kontemplation. In "The Doomed" wiederholt Keenan den Dynamik-Kunstgriff, wenn nach dem dramatischen Kriegsrhythmus der Strophe im Refrain plötzlich nur noch ein fragiles Glockenspiel stehen bleibt, während der Sänger rhetorisch nach dem Schicksal der Friedfertigen und Barmherzigen fragt – und sich am Ende in einen der wenigen Schreie des Albums steigert. Das ursprüngliche Rückgrat des APC-Sounds, das akzentuierte Midtempo-Schlagzeug und Billy Howerdels die Songs durchrankende Gitarrenlicks und -leads, geht in einem flächigeren Sound auf, manche Stellen fließen wie Keenans jüngste Puscifer-Platte "Money Shot" (2015). Interessant sind vor allem jene Tracks, in denen Keenan das APC-Songskelett auch mit digitalem Werkzeug einkleidet: In "So Long, And Thanks For All The Fish", einer Hommage an Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis"-Romanreihe, garniert er die Kritik an Egoismus und Ressourcenverschwendung mit einem Synthie-Upbeat, Geigen aus der Konserve und einem Autotune-artigen Stimmeffekt. Und "Hourglass" eröffnet mit einer Art EDM-Schockeffekt. Das macht "Eat The Elephant" zu einem fordernderen, heterogeneren, teilweise schwächeren Album als die Vorgänger. Gelungen ist es dennoch: A Perfect Circle finden für ihren Sound einen Platz in einer Gegenwart, in der dieser gar nicht mehr vorgesehen war.

Leserbewertung: 8.5/12

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Kommentare (5)

Avatar von hsvambug hsvambug 16.04.2018 | 20:27

hey ich

Avatar von Xedo Xedo 20.04.2018 | 15:28

Läuft grad bei mir, und gefällt mir gut. Schon empfehlenswert!

Avatar von thorsten667 thorsten667 20.04.2018 | 21:50

Ist die Platte toll weil es A Perfect Circle ist? Ist sie es wegen der beteiligten Musiker?
Ich finde NEIN! Ich vermisse sämtliche Trademarks welche die Band bisher ausgemacht haben. Das Ding rockt so gut wie nie und ist musikalisch seicht und flach - eher Artpop als irgendwas Rock ähnliches :-P
Produktionstechnisch ist zwar zu loben, daß auch tiefe Oktaven abgebildet werden - aber das ganze klingt trotzdem nicht organisch sondern sehr gekünstelt. Der Klang der Snare klingt so als würde da absichtlich voll in den Limiter gefahren - statt erträglichem Effekt ist das leider eher nervig.
Also ich bin recht enttäuscht - wenn dort eine ähnliche Entwicklung stattfindet kann die "neue Tool" von mir aus auch noch weitere gefühlte 1000 Jahre auf sich warten lassen.

Avatar von layercake layercake 25.04.2018 | 12:59

Der Elephant "schmeckt" fad. Meine ohnehin schon geringen Erwartungen wurden unterboten. 2,3 Songs nahmen mich etwas mit. Sonst ist die Platte seicht und wirkt unspiriert.

Avatar von Martin Thamer Martin Thamer 09.05.2018 | 10:56

Auch nach dem 15. Durchlauf mag das Album nicht zünden; einzelne gelungene Passagen und Songs können nicht über die über den Großteil der Platte fehlende Dynamik hinweg täuschen. Wäre es nicht APC inkl. seiner prominenten Akteure, man würde über dieses Album hinweg gähnen.

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