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Machine Head - Catharsis

Catharsis

Machine Head geben den Michael Bay des modernen Metal und inszenieren ein theatralisches Affekt- und Effektgewitter quer durch die Subgenres. Hätten sie doch auch Songs geschrieben.

Zu laut darf man das auf Englisch nicht sagen: Einen Rezensenten des Decibel-Magazins überzog Frontmann Robb Flynn mit einer patzigen Schimpftirade, als jener aussprach, was für eine Enttäuschung und ein Rückschritt "Catharsis" sei. Die kindische Reaktion des 50-jährigen Flynn spiegelt die pathetische Humorlosigkeit wider, mit der die Band ihren Blockbuster-Sound heuer auf durchgängig 110 Prozent trimmt: Der brutale Groove Metal der Frühphase, der prollige Nu Metal der Jahrtausendwende und der epische und melodisch-progressive Thrash ab "Through The Ashes Of Empires" (2003) – alles passiert konstant im roten Bereich. Wo "Unto The Locust" (2011) nur einen Hauch und "Bloodstone & Diamonds" (2014) etwas over the top war, versacken auf "Catharsis" die Zwischentöne in einem mit 74 Minuten auch in der Länge völlig überdimensionierten Maximierungszustand. Die Ausführung ist dabei nicht das Problem: Der Opener "Volatile" etwa lässt in seiner hyperventilierenden Slipknot-Aggression ästhetisch ebenso wenig zu wünschen übrig wie der Nu-Metal-Dampfhammer "California Bleeding" oder die am Kitsch kratzende Akustikgitarren-Metalballade "Behind A Mask". Machine Head beherrschen die Songschablonen so virtuos, dass der partielle Rückfall in die Metal-Pubertät nicht großartig stört. Nur bleibt nichts hängen: "Catharsis" ist das erste Machine-Head-Album ohne Hit-Potenzial. Und auf ein Experiment wie "Bastards", das zwischen Spoken-Word-Country und Dropkick Murphys die Trump-Wahl erklärt, hat niemand gewartet.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 4.2/12

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