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0 Autor: Juliane Kehr

Converge - The Dusk In Us

The Dusk In Us
  • VÖ: 03.11.2017
  • Label: Epitaph/Deathwish

Converges Festung aus Hass und Wut hat ein neues Stockwerk. Man möchte direkt einziehen, um sich von den Hausherren Bannon, Ballou & Co. den eigenen Teufel austreiben zu lassen – für den ist auch noch ein Zimmer frei.

Seit mittlerweile 27 Jahren bauen Converge an ihrer Villa des Grauens, den verwinkelten Kammern ("All We Love We Leave Behind"), dem Philosophie-Hörsaal ("Jane Doe"), den bis zur Decke gefliesten Folterkellern ("When Forever Comes Crashing") und der großen Holzveranda ("Axe To Fall"). Zur Casa Converge führt dabei ein staubiger Schotterweg voller Schlaglöcher aus Hard-, Math- und Grindcore. Mit dem Opener des neunten Albums, "A Single Tear", fühlt sich der Hörer wegen der Referenzen an Klassiker wie "Dark Horse" dort direkt zu Hause: Schlagzeugtier Ben Koller und Gitarrenteufel Kurt Ballou stürmen voran. Es folgt Jacob Bannons Geraspel, zorntriefend wie eh und je, die Gewissheit ausdünstend, dass nur eine winzige Spannungsspitze reicht, um die Explosion auszulösen. Nachdem das folgende "Eye Of The Quarell" an diese Sogwirkung anknüpft, verordnet die Band dem Hörer mit dem nächsten Song "Under Duress" eine Doom-Zwangspause: Man kracht unsanft zu Boden und möchte schon einen vorwurfsvollen Blick aufsetzen, bis man bemerkt, was diese entschleunigten, jedoch nicht weniger unheilvollen Soundgewitter freilegen: Sägende Gitarren schälen sich aus den schleppenden Riffs, gebrochenes Grunzen umfängt einen und das abschließende Gitarren-Feedback bohrt sich genüsslich und tief mit einem kurzen Schmerz ins Hirn. Wohl zu kurz für die drei Musiker, die ihren Bandkollegen Ballou daraufhin im vertrackten "I Can Tell You About Pain" zur Hochform antreiben. Es folgt der Titeltrack und damit ein Highlight des Albums. Converge schließen die Kammer mit all den weggesperrten Monstern auf und packen diese in ein Meisterstück von Ballade, das sämtliche Nackenhaare zu Berge stehen lässt und eine große Stärke der Band aufzeigt: Um die Wirkung der peitschenden, temporeichen Salven noch zu steigern, packen Converge all ihre Energie in leise Töne und Klargesang. "It's time to rise above all of their noise", singt Bannon in der ersten Strophe, nur von leiser Gitarre begleitet. Wenn der zerbrechliche Gesang nach fast sechs Minuten zu einem einzigen Doom-Rausch ansteigt, weiß man schon gar nicht mehr wohin mit all den losgetretenen Gefühlsbrocken aus den vorangegangenen Minuten. Am besten man kehrt sie in die Diele, wo Converge sie mit den monströsen Sludge-Riffs des abschließenden "Reptilian" weiter zertrümmern, um irgendwann mal den Schotterweg damit auszubessern.

Leserbewertung: 10.2/12

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