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0 Autor: Dennis Plauk

Depeche Mode - Spirit

Spirit

Premiere auf die alten Synthie-Pop-Tage: Spirit ist das erste Depeche-Mode-Album, das textlich überraschender ausfällt als musikalisch.

Das äußert sich bereits beim Blick aufs Tracklisting: Nach fast vier Dekaden Bandgeschichte ist Martin Gore erstmals ein knackiger Kraftausdruck als Songtitel eingefallen, nämlich "Scum", und tatsächlich zielt der Opener Going Backwards auf keine Tanzschrittfolge ab, sondern den Entwicklungsstand der Zivilisation. „Where’s the revolution?“, fragt sich Gore an anderer Stelle im Duett mit Dave Gahan. Zwei Engländer im US-Exil und ihr Aufbegehren gegen die Brexit/Trump-Realität – so explizit haben sich Depeche Mode seit ihrem Abgesang auf den Kapitalismus mit "Everything Counts" nicht mehr mit dem Zeitgeist angelegt. Die musikalische Färbung ihres 14. Albums weist ebenfalls weit in die Vergangenheit zurück: Bei allem Klartext, der auf "Spirit" gesungen wird, erinnert die introvertierte Aura vor allem an ihr lichtscheues Meisterwerk "Black Celebration" von 1986. Vor diesem Hintergrund wirkt es konsequenter als auf den Vorgängeralben, dass Gore seinen retrofuturistischen Analog-Synthesizer-Fetisch auslebt – und zugleich Gahan als Gelegenheitssongwriter nicht in die Parade fährt, wenn der mit Beiträgen wie "Cover Me" und "Poison Heart" relativ unverhohlen für den Sound seiner Zweitband Soulsavers wirbt. Die besungene Revolution zetteln Depeche Mode auf diese Weise stilistisch nicht an, trotzdem verzettelt sich "Spirit" – anders als "Delta Machine" 2013 – nicht im Wohlklang und setzt sich keinesfalls dem Vorwurf altersmilder Erbverwaltung aus. Kein visionäres Album, aber es transportiert Haltung. Das ist viel wert.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 7.0/12

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