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0 Autor: Nina Töllner

The Decemberists - What A Terrible World, What A Beautiful World

What A Terrible World, What A Beautiful World
  • VÖ: 16.01.2015
  • Label: Rough Trade/Beggars/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 262 - Schönheit der Ausgabe

"We know you threw your arms around us/ In the hopes we wouldn’t change/ But we had to change some", singt Colin Meloy zum Einstieg. Klar, ganz ohne Veränderung würde es dem Vordenker der Decemberists auch langweilig.

Nicht, dass sich die Band aus Portland je komplett neu erfunden hätte. Das tut sie auch jetzt nicht, nach einer vierjährigen Albumpause. The Decemberists bleiben eine Folk-Truppe mit Collegerock in der DNA und einer Vorliebe für opulentes Musiktheater, große Popmelodien und kauzige Geschichten. Doch erkundet der nebenberufliche Kinderbuchautor und begnadete Märchenonkel Meloy mit den Kollegen Conlee, Query, Funk und Moen gerne die verschiedenen Um- und Abwege im heimatlichen Terrain, so zuletzt mit dem British-Folk-meets-Progrock-Epos "The Hazards Of Love" (2009) und dem in der amerikanischen Folk- und Country-Tradition verwurzelten "The King Is Dead" (2011). Auf "What A Terrible World, What A Beautiful World" haben sich die fünf Damen und Herren keinem stilistischen oder thematischen Konzept verschrieben. Vielmehr schöpfen sie aus ihren etablierten Stärken, und fügen diesen eine Handvoll weiterer Facetten hinzu. Da gibt es mal reduzierte, mal mit Streichern und Klavier orchestrierte Balladen – etwa "Lake Song", "Till The Water Is All Gone" oder "Carolina Low" –, den wuchtigen Volksliedverschnitt mit Banjo und Akkordeon "Better Not Wake The Baby", zwei schunkelige Country-Nummern mit Mundharmonika – "Anti-Summersong" und "12/17/12" – oder auch Indie- und Janglepop der Marke R.E.M., Belle & Sebastian und Death Cab For Cutie, etwa in "Cavalry Captain" und "Make You Better". Neu ist der Hang zu schwofigem Frauen-Background-Gesäusel, der Stücken wie "Philomena" und "Mistral" mit "Uuuuh's", "Aaaah's" und "Lalalala's" einen mondänen Retro-Anstrich verpasst. Etwas dick aufgetragen das Ganze, aber auch mit einem unüberhörbaren Augenzwinkern versehen. Und wer ein Problem mit Theatralität und Humor hat, ist bei den Decemberists ohnehin falsch. Ähnlich zitatenhaft, aber weniger überladen kommt die Gothic-Country-Nummer "Easy Come, Easy Go" daher – nur stilecht mit knarziger Twang-Gitarre. Sehr schön auch das anfänglich zitierte "The Singer Adresses The Audience", eine selbstironische Publikumsansprache ("We’re aware that you cut your hair in the style that our drummer wore in the video"), bei der – bildhaft gesprochen – Colin Meloy zunächst alleine mit Akustikgitarre auf der Bühne steht. Dann versammeln sich Orchester und Chor sukzessive um ihn und eine umgezähmt von der Leine gelassene E-Gitarre setzt einen Kontrapunkt zum pompösen Finale. So sind sie, die Decemberists: Verlässlich gut, aber auch immer für kleine oder größere Überraschungen zu haben.

Leserbewertung: 10.5/12

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