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0 Autor: Flo Hayler

Pissed Jeans - Honeys

Honeys

Matt Korvette sieht aus wie ein Lehramtsstudent, pflegt den Fashion-Blog fürs Spin Magazine und führt trotz seines beruflichen Interesses an Mannequins und Modeschöpfern ein relativ normales Dasein. Wir betonen: relativ.

Neben seiner journalistischen Arbeit und einer offensichtlichen Vorliebe für individuell gestaltete Kleidung (siehe Bandname) mutiert Korvette auf der Bühne zu einem zeitgemäßen Update von Lux Interior, auch ohne die obligatorischen Stilettos und Latexhosen. Seine Band baut dem fleischgewordenen Brummkreisel dabei ein mit Nägeln und rostigen Schrauben ausgelegtes Nest aus Lärm, in dem sich der Sänger so lange drehen und wenden kann, bis er in seinem eigenen Blut ertrinkt. Zugegeben, es scheint, als wären Pissed Jeans auf ihrem vierten Album sanfter und sogar ein bisschen süß geworden, selbst wenn sie Bands wie The Bronx oder Black Flag mit Songs wie "Teenage Adult" oder "Male Gaze" noch immer aussehen lassen können wie einen glockenhellen Kanon gescheitelter Chorknaben. Die zwölf Stücke auf "Honeys" tun das zwar enttäuschend selten, sind aber Zeugnis körperlicher Schmerzen, den die Träger im Schritt befleckter Beinkleider beim Schreiben und Vorführen ihrer Lieder empfunden haben und empfinden werden müssen. Bei ihrem Ritt durch Noise, Punk und Hardcore reißen sie jedes Hindernis, das ihnen vor den Rumpf geschoben wird, mit großer Arroganz ein; auch wenn die Ergebnisse schon zerstörungswütiger und entlarvender waren. Sieht so aus, als hätte sich Korvette mit Pissed Jeans eine verschrobene Bastion aus Unangepasstheit gebaut, seine persönliche Analog-Oase in einer von digitalem Fame besessenen Welt. Gute Frage nur: Was will ein Punkrock-Frontmann mit einer Oase?

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 9.5/12

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