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2 Autor: Dennis Plauk

Soundgarden - King Animal

King Animal
  • VÖ: 09.11.2012
  • Label: Mercury/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 236 - Schönheit der Ausgabe

Um eine Vorstellung zu bekommen, wie lange diese Platte auf sich warten ließ: Als das bisher letzte Soundgarden-Album erschien, lieferte es sich mit dem Fugees-Megaseller "The Score" einen Zweikampf um die Spitze der Charts.

Am Ende ging zwar nur die Vizemeisterschaft nach Seattle, aber allein daran zeigt sich, wie sich der Wind gedreht hat in den über anderthalb Jahrzehnten seitdem. Heute scheint es unwahrscheinlich, dass eine Band wie Soundgarden, spröde und sperrig, wie sie eben ist, den Popsternchen ihre Sonnenplätze in den Hitparaden streitig machen könnte. Natürlich profitierte "Down On The Upside" (1996) noch vom Energieschub durch die Hitsingle des Vorgängeralbums – aber auch ohne "Black Hole Sun" wäre die Band kein Underground-Phänomen geblieben in dieser Zeit, die ein so großes Herz für progressiven Alternative Rock hatte. Zu sehr hoben sich Soundgarden aus der Schwemme an Seattle-Bands hervor, zu einzigartig, fortschrittlich und schlichtweg zu gut war dieser Verbund aus vier Musikern, deren sture Naturells verhinderten, dass sie sich je richtig grün wurden. Soundgarden waren vielleicht eher eine Zweckgemeinschaft als eine verbrüderte Band, dafür aber die virtuoseste Zweckgemeinschaft der Welt. Und sie sind es bis heute geblieben. Dafür spricht einerseits das Bild, das sie abgeben: Unmittelbar vor ihrem diesjährigen Auftritt bei Rock am Ring standen sie angespannt und in großzügigem Sicherheitsabstand zueinander hinter der Bühne und warteten auf das Startsignal. Dafür spricht andererseits ihr sechstes Album, das sie nun – 13 Jahre nach der Trennung, drei nach der Reunion – endlich abgeben. "King Animal" ist eine unnachgiebige Platte, tiefgründig und mitreißend und sehr zeitgemäß. Es ist das beste Grunge-Comeback seit "Black Gives Way To Blue" von Alice In Chains, vielleicht das beste Grunge-Comeback aller Zeiten. Man hört es an Details: an Chris Cornells Befreiungsschrei in "Non-State Actor", am raffiniert verschleppten Rhythmus von "Taree", der postapokalyptischen Atmosphäre im Schluss-Blues "Rowing" oder an der Vielseitigkeit eines Songs wie "A Thousand Days Before", der es in vier Minuten um die ganze Welt schafft, von Indien (die Sitar) über Mexiko (die Trompete) bis nach Seattle (der Rest). Vor allem aber merkt man es dem Album in seiner Gänze an: "King Animal" ist das Biest, das sein Name verspricht, ein Drahtseilakt zwischen wirsch und verspielt (verspielter als "Down On The Upside", nicht so wirsch wie "Badmotorfinger"), und es profitiert von einer Gesangsleistung, die alles in den Schatten stellt, woran Cornell in den letzten zehn Jahren beteiligt war.

Leserbewertung: 9.6/12

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Kommentare (2)

Avatar von cavendish cavendish 27.11.2012 | 14:41

das Cover ist gut,die Musik ist anspruchvoll

Avatar von McLiddik McLiddik 09.04.2013 | 11:05

Daumen hoch!
NAch so vielen JAhren ein so SG- typisches Album zu machen, was nich langweilig wird, ist echt n Orden wert!
Geiles Teil!

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