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8 Autor: Online Redaktion

Enter Shikari - A Flash Flood Of Colour

A Flash Flood Of Colour
  • VÖ: 13.01.2012
  • Label: Ambush Reality/PIAS/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 226

Vier-Ohren-Test

Boys II Men: Die Verwandlung der alles zerlegenden Party-Band zum ernsten Kreativensemble ist abgeschlossen.

So macht man sein Hobby zum Beruf: Ausdauer, Zielstrebigkeit, Kollektivgeist und ein bisschen Glück – mehr braucht eine Band nicht, um sich nachhaltig in den Köpfen der U25-Fraktion einzunisten. Manege frei also für Enter Shikari, das angenehm bodenständige, bescheidene und ungrelle Nintendo-Core-Ensemble aus St. Albans, das den halsbrecherischen Schwung seiner Anfangstage auf A Flash Flood Of Colour mit dem sicheren Gespür für das Gegeneinander von Club-Sounds, Hardcore und Sirenen jedweder Bauart kreuzt. Eine gute Strategie, denn mittlerweile ist das einstige MySpace-Phänomen ein weltweit gut gebuchter Live-Act, ein Bastard in Jeans und T-Shirt, der das Wacken Open Air oder einen illegalen Kellerclub eurer Wahl genauso plätten könnte wie die Mayday – wenn es sie noch gäbe. Das neue Song-Dutzend entfaltet seine Wirkung aber auch ohne Leuchtstäbe und das Blingbling der Konzerte; vor allem Stücke wie Stalemate, das sowohl in Aussage als auch Vibe direkt neben der Toxicity gebaut wurde, tragen dazu bei, dass das sowohl in Thailand als auch London eingespielte A Flash Flood Of Colour auch zu Hause funktioniert. Letzteres bekommen Enter Shikari 2012 wahrscheinlich nur selten zu Gesicht, dafür baden sie allabendlich im Blitzlichtgewitter ihrer eigenen Konzerte. Es könnte schlimmer sein.
8/12 Flo Hayler

Ja, aber nicht im Ernst. Und irgendwann macht auch eine Mutprobe für Toleranzfetischisten sehr müde.

Gut, die neue Enter Shikari klingt also schon wieder, als hätte man Korn, The Prodigy, The King Blues und Taking Back Sunday sämtliche gute Musik der Welt in einen Sack stecken und gnädig erschießen lassen, um fortan alles unter sich auszumachen. Sonst was Neues? Eben nicht, und das ist das Problem der lange abgefahrenen Engländer, die irgendwann immerhin noch würdelos genug waren, um ein bisschen Spaß zu machen. Ja, auch A Flash Flood Of Colour ist wunderbar bescheuert, und wenn in Sssnakepit erst das schnöselig englisch gesprochene „Yeah yeah, we’re nice guys“ kommt, dann das heavy gegrowlte „…until we’re not“ und dann der ganz dicke Breakdown, dann ist das genau so unfreiwillig komisch, wie es gemeint ist. Aber wenn man vor lauter Zwinkern nicht mehr gucken kann, strengt das nur noch an. Kitschig gesungene Zeilen, als wäre man der emotionale Teil einer Screamo-Band: gerne. Aber dann mit Großraumtechno und verzerrtem Metal dazwischenboxen, weil man in Wahrheit ja gar nichts ernst nimmt und über allem steht: nö. Es gibt respektable Stellen auf A Flash Flood Of Colour, mindestens welche, die so viele eigentlich gut gemachte Ohrwürmer ineinanderschieben, dass es blitzt, aber wenn eine Band sich selbst so betont wenig ernst nimmt, warum dann Kopfschmerzen riskieren, um das auseinanderzuhören.
5/12 Britta Helm

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Leserbewertung: 10.6/12

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Kommentare (8)

Avatar von rockhannes rockhannes 09.01.2012 | 18:08

Also das ist schon etwas peinlich, wenn ein Musikmagazin über ein Album berichtet und nicht mal weiß wie es richtig heißt!
Hier der richtige Albumtitel "A Flash Flood of Colour"

Avatar von twinhotplate twinhotplate 09.01.2012 | 21:06

Hmm, aber nicht ganz untypisch für visions.de.
Finde eh, das visions.de journalistisch unheimlich nachgelassen hat.

Avatar von finchbloc finchbloc 10.01.2012 | 00:21

Freut mich das das Album Platte der Woche ist, nachdem das letzte im vier Ohren Test war, aber der Titelfehler ist einfach nur panne.

Avatar von finchbloc finchbloc 14.01.2012 | 02:57

Hab das Album heute bekommen und ich kann diesen 4 Ohren Test gar nicht zustimmen, das Album wächst mit jeden mal hören, die Vergleiche mit Taking back sunday und The Prodigy sind an den Haaren herbeigezogen, als hätte ein Praktikant die schlechte Bewertung geschrieben. Wenn die Visions Redaktion die Band nicht mag, dann schreibt das doch auch so, punkt aus, so wars doch auch mir der letzten Sounds CD und auch mit dem Vorgänger Album von Enter Shikari.

Das Album ist richtig gut, zugänglicher als die zwei davor, das fängt mit dem Intro an und hört mit Constellations auf, ein absolutes Brett an vielfältigkeit, gutelaune, rock und beats.

Das Album hat übrigens massig gute Bewertungen eingefahren:
http://en.wikipedia.org/wiki/A_Flash_Flood_of_Colour

Avatar von dermaz dermaz 16.01.2012 | 17:45

Dass sich Enter Shikari gar nicht Ernst nehmen, kann ich mir nicht vorstellen. Die britische Lebensart hat nun mal immer was mit "Augenzwinkern" und Ironie. Aber ein solch politisch engagiertes Album, mit solch einem innovativen Sound-Gewand hat schon lang keine Band mehr auf die Beine gestellt. Ein bisschen Selbstironie tut eigentlich jedem gut. Bei den Briten ist das Land halt ganz schön im argen, deshalb sollte man hier schon eher mal auf die politischen Statements hören.

Erwachsen waren Enter Shikari außerdem schon längst mit ihrem letzten Album. Das hier jetzt ist da ja schon fast wieder so partyaffin wie der Erstling.

Ist wirklich ein super Album.

Avatar von SebCroefield100 SebCroefield100 20.01.2012 | 14:21

Nach den ersten 3 Liedern is' eh alles klar! Super! Und danke für Constellations!

Avatar von Qeuela Qeuela 04.02.2012 | 15:47

Nach drei Wochen auf heavy rotation ist es nicht nur immer besser geworden, sondern auch kein Stück langweilig. Die Texte sind allesamt griffig, politisch, intelligent und durchsetzt mit einer grundehrlichen Portion Rebellion gegen ein veraltetes Gesellschaftssystem. Damit kann man auch etwas anfangen, ohne dem Zeitgeist Movement hinterher zu laufen. Der Sound ist einfach nur vielfältig, an den richtigen Stellen richtig dick und trotzdem extrem konsistent. Ohne 'A Flash Flood of Colour' damit vergleichen zu wollen oder überhaupt zu können spielt dieses Album in meinen Augen in der gleichen Kategorie, wie 'Toxicity' am Anfang des letzten Jahrzehnts (von einer Band übrigens, die es mit der Ernsthaftigkeit auch nicht so genau genommen hat). Es ist frisch und wird es auch lange bleiben.

Avatar von djtobsen djtobsen 19.12.2012 | 10:30

Für mich auch am Ende des Jahres 2012 noch nachwirkend herausragend und völlig unterbewertet von der Visions-Redaktion. Unter meinen Top 5 in diesem Jahr!

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