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Soundgarden - Telephantasm

Telephantasm

Pünktlich zur Reunion möchten uns die Backkatalog-Verwalter daran erinnern, was für eine exzellente Band Soundgarden einst waren –und jetzt wieder sind.

Dabei muss man zunächst alle Gedanken daran verdrängen, zu was für einer Witzfigur sich Chris Cornell mit seinen letzten Solo-Eskapaden selbst degradiert hat. Dazu gehört auch das jämmerliche Performen von Rage-Against-The-Machine-Songs im Rahmen von Audioslave. Hiermit also zurück ins Jahr 1996, das Jahr, in dem Soundgarden ihren Schwanengesang "Down On The Upside" veröffentlichten, um sich dann recht abrupt im April 1997 aufzulösen. Von dort katapultiert man sich am besten in die Gegenwart, indem man sich den vielversprechenden Youtube-Clip einer Aufzeichnung von "Beyond The Wheel" anschaut. Ein Song, den das klassische Line-up, bestehend aus Matt Cameron (dr), Kim Thayil (g), Ben Shepherd (b) und eben Sänger Cornell unter dem Namen Nude Dragons ziemlich exakt 13 Jahre nach dem Split im Showbox Market in Seattle live gespielt hat. Das ist nicht einfach nur irgendein Live-Clip, es ist der Beweis dafür, dass die Zeit reif ist, Cornell zu vergeben und Soundgarden mit offenen Armen wieder willkommen zu heißen. Ausgezeichnete Hilfestellung leistet dabei "Telephantasm". Nach der Singles-Collection "A-Sides" von 1997 ist es bereits die zweite Retrospektive über das Schaffen der Band. Und während bei "A-Sides" ein Hit wie "Big Dumb Sex" fehlt, fehlen auf "Telephantasm" etwa "Loud Love" oder "The Day I Tried To Live". Aber irgendwas ist ja immer, und es hält die neue Zusammenstellung nicht davon ab, eine gelungene zu sein. Hier steckt Engagement drin, um dem Fan ein Lächeln ins Gesicht und das Geld aus der Börse zu zaubern. Das fängt beim Äußeren an: Ein dickes Digipak mit dem unverkennbaren Artwork-Einsatz von Josh Graham (A Storm Of Light, Neurosis, Battle Of Mice). An die Doppel-CD mit 24 Songs in zwei Stunden schmiegt sich eine DVD mit all den – hier unzensierten – Videos, die man einst auf MTV sehen konnte. Was die CDs besonders machen soll, sind einige Live-Versionen von Songs. Was natürlich Quatsch ist. Von "Jesus Christ Pose" hätte man die druckvollere, kompaktere Studioversion lieber gehört. Ein ganz besonderer Leckerbissen ist jedoch "Black Rain", das zwar als neue Single beworben wird, aber eigentlich nur ein bisher unveröffentlichtes Überbleibsel der "Badmotorfinger"-Sessions ist. Dieser Song macht "Telephantasm" für vorfreudige Fans interessant. Einsteiger überzeugt es mit strikter chronologischer Ordnung und detailfreudigen Linernotes.

Leserbewertung: 10.5/12

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