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0 Autor: patrick grossmann

Oceansize - Frames

Frames

"Everyone Into Position" war ein Monster von Album: tiefblau schillernd, megalomanisch, dabei doch auf den Punkt. Trotz allem, ein bisschen ist die Luft raus.

Eine Band, die man vergöttert, eigenhändig vom Olymp stoßen zu müssen, tut immer besonders weh. Ein gutes Beispiel dafür sind Oceansize aus Manchester: Mit "Effloresce" haben Mike Vennart und Kollegen ein süchtigmachendes, uferlos aufbrandendes Prog-Debüt vorgelegt, ihre Drei-Gitarren-Grandezza auf dem zweiten Album perfektioniert und in anrührende, teils regelrecht poppige Bahnen gelenkt – jetzt, zwei Jahre später, üben sie sich in gepflegter Stagnation. Im Klartext: "Frames" hat beileibe seine hellen Momente, kann die hohen Erwartungen an eine Ausnahmeband wie diese jedoch nicht erfüllen. Die Songs sind tendenziell zu lang, finden allzu häufig kein Ende. Manchen (allen voran dem komplett zerfahrenen Rocker "Sleeping Dogs And Dead Lions") fehlt es darüber hinaus an Struktur, Fokus und mitreißenden Gesangsmelodien. Die Frage, woran all dies gelegen haben mag (keine ordnende Produzentenhand? Resignation aufgrund ausbleibender Erfolge?), ist letztlich müßig. Noch mal: Was Oceansize so genial gemacht und vom Gros der Prog- oder Postrock-Welle unterschieden hat, war der Umstand, dass an ihren Liedern nicht bloß Musiker und Mathematiker Gefallen fanden. So aber bleibt nur, sich vorläufig mit Ausnahmen wie dem wundervoll in sich verschlungenen Trauerkloß "Savant" oder dem erhabenen Rausschmeißer "The Frame" zu begnügen. Und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass Oceansize sich wider Erwarten doch noch einmal aufrappeln und zurückklettern auf den ihnen gebührenden Ort in lichter Höhe. Schade.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 9.8/12

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