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0 Autor: Daniel Gerhardt

Oceansize - Everyone Into Position

Everyone Into Position
  • VÖ: 19.09.2005
  • Label: Beggars/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 151 - Schönheit der Ausgabe

Brütender, brodelnder Hochleistungs-Rock von Leuten, die nur scheinbar verrückt sind. Oceansize haben die Oberhand über ihren grenzenlosen Größenwahn gewonnen.

Das Problem von Musikern, die schon mit der ersten Platte in die höchste Gewichtsklasse einsteigen, ist natürlich, dass anschließend kaum mehr Raum nach oben bleibt. Als Oceansize vor zwei Jahren ihr Debütalbum "Effloresce" vorlegten, war das der schiere Prog-Rock-Irrsinn, ausgeschwitzt in 76 Minuten Fieberwahn und mit einer Dringlichkeit auf die Tonbänder geprügelt, dass einem ganz im Ernst Hören und Sehen vergehen wollten. Klar musste man sich da fragen, wo das in Zukunft hinführen oder gar enden sollte. Nicht mal Oceansize selbst werden drum herum gekommen sein, sich darüber ein paar Gedanken zu machen. Und so kamen sie schließlich bei "Everyone Into Position" raus, dem Nachfolger, der von vornherein nur enttäuschen konnte und es trotzdem nicht tut. Es ist eine Platte der Detailverbesserungen geworden, keine, die am gewaltigen Gesamtsound der Band rüttelt, sondern das Werk von Menschen, die versuchen, Herr ihrer eigenen Lage zu werden. Klang "Effloresce" noch, als würde die Musik ihre Schöpfer vor sich hertreiben, sitzen Oceansize diesmal fest im Sattel, angeschnallt und mit beiden Händen am Steuer. Auf gnadenlose Ausbrüche, wie sie etwa "A Homage To A Shame" durchlebt, verzichtet auch diese Platte nicht. Aber der Weg dorthin ist diesmal besser ausgeschildert und wird vor allem bedächtiger beschritten. "Music For A Nurse" steuert in achteinhalb berstenden Minuten auf ein Donnerwetter hin, zu dem es nie kommen wird. Auch "Meredith" schiebt den großen Knall solange vor sich her, bis es beinahe als erste Oceansize-Ballade durchgeht. Und selbst wenn der Opener "The Charm Offensive" am Ende doch noch von der alten gesunden Härte heimgesucht wird, bleibt diesmal der Eindruck bestehen, dass das Quintett aus Manchester die eigenen Kräfte unter Kontrolle bekommen hat. Wie ein riesiger Kreuzer, der nach langem Rangieren endlich Position bezogen hat. Bisher war es leicht, sich von dieser Band aufsaugen zu lassen. Jetzt wird man nicht mal mehr gefragt.

Leserbewertung: 10.9/12

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