0 Autor: Dennis Plauk

Mando Diao - Ode To Ochrasy

Ode To Ochrasy

Mut ist, wenn die sich "größte Band der Welt" klein macht. Mando Diao lassen nicht bitten, sie bitten selbst: den Hörer um Zeit. Die Produktion verhuscht, die Hits unaufdringlich (aber sicher) – ihr drittes Album ist das unwahrscheinlichste, das ihnen bei klarem Verstand einfallen konnte.

Der Song heißt "You Don’t Understand Me" und berstet bei Zählerstand 3:33. Gustaf Noréns Stimme überschlägt sich, schrill und drei Sekunden zu lang, wie ein Moment der Unachtsamkeit, den man dem Produzenten durchgehen lässt, weil das hier noch der Roughmix ist und so ein Patzer spätestens beim Blick auf den Monitor mit den Tonspuren dermaßen ins Auge sticht, dass man sich keine Sorgen machen muss, er könnte auf der Platte bleiben. Doch das ist nicht der Roughmix, und einen Produzenten, der sich von jetzt an dumme Fragen gefallen lässt, den gibt es auch nicht. Mando Diao haben es selbst in die Hand genommen, und man muss davon ausgehen, dass alles, was auf ihrem dritten Album unsauber, rumpelig, kratzig klingt, so gewollt ist, wie es ist. Die "größte Band der Welt" (Mando Diao über Mando Diao) macht sich klein, sie macht sich angreifbar und es uns zunächst nicht leicht. So viel Entwarnung vorweg: Jeder verdammte Song ist ein Hit, aber keiner will der erste sein, der sich als einer zu erkennen gibt. Auch das unterscheidet das Album vom Debüt "Bring ’Em In", das ihm im Sound immerhin näher steht als der Vorgänger "Hurricane Bar", wenn auch versehentlich: Damals steckten Mando Diao in diesem Nest Borlänge fest und nahmen in Kellern auf, heute könnten sie mit ihrem Label über vier Studio-Wochen L.A. verhandeln. Stattdessen haben sie den Charme einer Garage bevorzugt, vielleicht, weil er sie an zu Hause erinnert und sie zu Hause vermissen. Man sieht die Halbwelt Ochrasy, all die verrückten Typen dieser Twilight Zone, die sie in ihren Songs besingen, mit anderen Augen von dort aus, wo Mando Diao stehen. Immer irgendwohin unterwegs und nirgendwo am Ziel. Auch deshalb ist die Platte, wie sie ist: ein bisschen wirr, aber geschlossen, jung und weise, ein Kind, ein Mann, witzig, wenn nicht gerade melancholisch, dem Hörer immer einen Schritt voraus. Sehr britisch, sehr schwedisch, sehr bunt. Da ist Blues, da ist Punk, da ist Singer/Songwriter, und doch ist es nie etwas anderes als ein Rock’n’Roll-Album mit beiden Beinen auf dem Boden. Die rechte Hand am Mikrofon, fünftausend Fans voraus, die linke am Türknauf zur Pizzeria in Borlänge, in der man Freunde trifft und Fußball schaut. Wir können nicht dorthin zurück, sagen Mando Diao, und wir sind noch nicht dort, wohin wir wollen. Sie sind selbstbewusst, das wissen wir, nur ist es diesmal nicht die Art Selbstbewusstsein, die sich an protzigen Sätzen abliest, sondern an mutigen Songs. An kleinen, liebenswerten Geschichten über Tony Zoulias, Killer Kaczynski, Herrn Horst und die anderen. Mando Diao wollen mehr mit uns teilen als bisher. Sie haben ihr bestes Album "Ode To Ochrasy" genannt.

Leserbewertung: 9.2/12

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