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    My Latest Novel
    Deaths And Entrances

    VÖ: 22.05.2009 | Label: Bella Union/Universal
    Text:
    8 / 12

    Einsamkeit macht schlau, Schmerz lehrt Empathie. Wie man ohne große Gesten und abgefeimte Mittel allerhand Gefühle freilegt, weiß man, Klischee ahoi, vor allem in Schottland.

    Karg ist die Landschaft da, manchmal näher am Mond als an der Erde, aber es heißt, hier wohnt die Schönheit. Und wenn Schotten wirklich geizig sind, dann vor allem mit ihrer Zeit: Da ist kein Platz für Umschweife und Zierwerk, das muss man alles auch kürzer sagen können. Humor bitte nur lakonisch, und wenn schon geblümte Worte, dann zumindest auf den Punkt. My Latest Novel halten es wie Robert Burns, der schottische Nationaldichter. Auch der hat ab und zu die eine oder andere Jahreszeit verschlafen, kam im Mai mit einem Stapel Wintergedichte an und gilt trotzdem als der romantischste Zeitgenosse schlechthin. Der literarische Vergleich dürfte der Band auch gefallen. Genau wie die Kollegen von Belle & Sebastian halten sie sich mit ihrer Liebe zum gedruckten Wort nicht zurück, Bücher sind Freunde, zumindest, bis es im Studio allzu kalt wird. „Kühl und feucht“ sei es da immerhin schon gewesen, wie der Pressetext stolz verkündet, und das auch gleich über zwei Jahre hinweg. Man mag sich ein Biwak zwischen den Mikrofonen vorstellen, in dem sich fünf Musiker an ihren Instrumenten wärmen, die Uhrzeit vergessen, dann die Tageszeit, dann das Bedürfnis nach Winterschlaf. Man musste eng zusammenrücken in diesen Monaten, wenn der Nebel von draußen reinrückte und sich die ganze Welt ganz feierlich anfühlte. Manchmal wurde es dann auch im Inneren still. „Just when the war began/ You left my side“, heißt es in „If The Accident Will“, dem Song, der sich erst einmal warmschunkelt, bevor er sich mit kleinen Schritten in einen trotzigen Marsch verwandelt. „Dead is dead, and I’m not“, eine zeitgemäße Erinnerung in ökonomischer Kürze. My Latest Novel haben schon auf ihrem letzten Album durchblicken lassen, dass sie etwas Besseres als den Tod überall finden können, und das vermutlich alles auch ganz angstfrei. Die angesprochenen „Entrances“ werden auf „A Dear Green Place“ jedenfalls zu Träumen umgedeutet, die man in beide Richtungen durchlaufen kann. Tatsächlich pendelt die ganze LP stetig zwischen Hypnose und etwas sehr Rustikalem, das Gefühlsregungen an unerwarteten Orten sprießen lässt und für eins der fröhlichsten Depri-Alben in letzter Zeit sorgt. „Death And Entrances“ ist wie der Blick aus dem Küchenfenster, gerade wenn sich die dunkelste Stunde in den Morgen verwandelt. Und die Vögel wieder anfangen zu nerven.

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