0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

    Jens Friebe
    Abändern

    VÖ: 08.10.2010 | Label: Zickzack/Indigo
    Text: Oliver Uschmann
    6 / 12

    Jens Friebes letztes Album Das mit dem Auto ist egal Hauptsache Dir ist nichts passiert irritierte. Plötzlich mochte man Schlager und Chanson. Unwiderstehlich. Heute herrscht die künstlerische Spielerei.

    Und die überzeugt nicht immer. Zu oft bleibt auf Abändern der Gedanke zurück: Ja, und? Pointe begriffen, Stück abgehakt. Nirgends wird das so deutlich wie bei Up & Down, dem Song, auf den der Albumtitel zurückgeht. Schlagzeuger und Klangmeister Chris Imler arrangiert hier den Dance-Pop-Hit der Venga Boys so um, dass der Chor im Stück nicht „Up & Down“, sondern „Abändern“ singt. Ein Stück, das einen bekannten Pophit abändert, begeht sozusagen einen Sprechakt.

    Das ist eine nette Wendung, aber im Grunde eben: Spielerei. Oder Sei mein Plus Eins: Ein unterhaltsamer, geradliniger Indiepopsong, von dessen Text man erwartet, das Gästelisten-Club-Nachtleben irgendwie pointiert zu karikieren. Stattdessen feiert er es letztlich. Poetisch zwar, aber er feiert es einfach. Hedonismus helau. Und wieder die seltsame Frage: Ja, und? Königin im Dreck dekliniert originelle Fragestellungen durch („Was machen Götter, wenn sie niemand entdeckt/ Wie tötet man einen Tyrannen im Affekt“) und geht auf den schwulen, kommunistischen Dichter Ronald M. Schernikau zurück. Das hat was.

    Am überzeugendsten ist Friebe aber, wenn er eben nicht nur intellektuell spielt, sondern wie in Charles de Gaulle hoch ergreifende Melodien präsentiert. Die letzte Wendung des Refrains ist so stark, dass Thees Uhlmann sie atemlos bis weit hinter den Horizont überbetont und lang gezogen hätte. Friebe huscht sie unprätentiös weg. Weil das wahre Größe ist.

    weitere Platten