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0 Autor: Mario Lasar

Blur - Blur (Platten der Neunziger)

Blur (Platten der Neunziger)
  • VÖ: 10.02.1997
  • Label: Food
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 82 - Schönheit der Ausgabe

Blurs Befreiungsschlag vom Britpop.

In der mittlerweile schon zehnjährigen Geschichte von Blur stellt dieses Album das vielleicht größte Wagnis dar. Als offensive Erweiterung der fest im britischen Pop-Kanon aus Kinks, Beatles und Madness verankerten Alben "Modern Life Is Rubbish" und "Parklife" konzipiert, erfanden sich Blur hier neu, in dem sie sich auf amerikanische Spielweisen von College-Rock bis Grunge beriefen, die vor allem darauf zurückzuführen sind, dass Gitarrist Graham Coxon sich bereits vor den Aufnahmen intensiv mit US-Indie-Rock auseinander gesetzt hatte. In Bezug auf das selbstbetitelte Album wird deshalb des öfteren von der "Graham-Platte" gesprochen. Er steuert auch den verschüchterten Höhepunkt dieses Albums bei: "You're So Great" klingt für Blur-Verhältnisse wie potenzierter LoFi, dargebracht in akustischer Schlichtheit und einem melancholischen Text Marke verregneter November-Sonntag. Trotz aller Amerikanismen, die Blur hier präsentieren, verliert dieses Album niemals seinen Pop-Appeal. Stücke wie "Beetlebum", "Death Of A Party" und das an David Bowie erinnernde "Strange News From Another Star" atmen trotz eines spröderen, ungeschönten Sounds immer noch den Geist von Britpop, der sich allerdings nicht mehr als bestimmender Stil materialisiert. Diese Platte markiert den Übergang von tradierten Pop-Schemata zu einer neuen Offenheit, bei der sich Experimente und Geradlinigkeit nicht ausschließen. Die aufgelöste Songstruktur des an Dub-Reggae angelehnten "Essex Dogs" nimmt bereits vorweg, was auf dem Folge-Album "13" schließlich zu voller Entfaltung gelangen sollte. Und mit dem Kracher "Song 2" enthält "Blur" ein Stück, das noch heute jede Tanzfläche füllt.

Leserbewertung: 9.6/12

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