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1 Autor: Patrick Großmann

The Notwist - Neon Golden

Neon Golden

Im fünften Anlauf gelingt den vielbeschäftigten Weilheimern die Quadratur des Kreises: Kaltes Kunstlicht fällt auf heimelige Indiepop-Heuschober - und aus einem schroffen Nebeneinander wird reife, nahtlose Symbiose.
Während der jüngsten Interviews verrieten die Acher-Brüder jedem, der es wissen oder auch nicht wissen wollte, dass sie derzeit im Proberaum die Rockgitarre reanimieren. Selbst wenn davon auf "Neon Golden" (mit Ausnahme des nach sanftem Beginn plötzlich in einen knarzigen Indie-Stampfer mündenden "One With The Freaks") noch nicht allzuviel zu erspähen ist - ein verschollen geglaubter Mut zur Direktheit sowie der Wille zur Rückkehr zu lebendigeren Ingredienzen klingen allemal durch. Doch damit nicht genug: Wo der hochgelobte Vorgänger "Shrink" gerade durch die unversöhnte Koexistenz von Consoles Elektro-Welten und organischer Basis, von Kälte und Wärme bestach, schaffen es The Notwist diesmal, die Antipoden an den runden Tisch zu zwingen, der da Song heißt. Ein zeitintensiver, aber lohnender Kraftakt, denn wie hier Grenzen transzendiert werden, das macht einfach glücklich. Das gesamte Album (und keinesfalls bloß die seltsamen Stimm-Verfremdungen in "This Room") erinnert diesbezüglich recht exakt an das, was Radiohead auf "Kid A" versucht, aber eben auch erst mit "Amnesiac" zu voller Blüte gebracht haben. Ganz groß etwa "Pick Up The Phone", ein von surrealer Melancholie durchwirkter Abgesang auf eine Beziehung. "Pick up the phone and answer me at last / today I will step out of your past", klagt Markus Acher dort fast beiläufig zu verzwirbelten Beats plus Akustikgitarre, und irgendwie weiß man intuitiv, dass auch dieser letzte Versuch der Kommunikation scheitern muss. Ähnlich hinreißend der zartbittere, aber versöhnliche Schlusspunkt "Consequence", der in gleichsam orchestralen Weiten badet, ohne nass zu werden: "Youre the colour, you’re the movement and the spin" - mein Gott, was für eine simple, ergreifende Liebeserklärung! Das Stil-Spektrum wurde dabei abermals sinnvoll erweitert: Der auf entspanntem Disco-Geplucker seine Bahnen ziehende Groover "Pilot" und das verstrahlte, zum Heulen schöne "This Room" atmen unüberhörbar Dub/Reggae-Luft, während der programmatische Titeltrack oder das berückende, von einem Banjo, Saxofonen und atmosphärischem Elektro-Knistern veredelte "Trashing Days" gekonnt Blues- bzw. Folk-Reminiszenzen verarbeiten. Obendrauf gibts zu allem Überfluss auch noch orientalisch

Leserbewertung: 9.8/12

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Kommentare (1)

Avatar von records records 14.06.2016 | 09:39

Mag ja sein, dass die CD das Prädikat künstlerisch wertvoll verdienen würde. Aber bei diesem gefühllosen DeproSound kommt einfach keine Stimmung auf. Keine Spur mehr des einstigen Rocks, bei dem es einem kalt über den Rücken lief. Ein Fehlkauf!

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