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Björk - Vespertine

Vespertine

Sanfte Klänge und Geräusche, präzise arrangiert, und über allem eine unverwechselbare Stimme. Und wie immer: nicht ganz von dieser Welt.

Dennoch wird der aufmerksame Hörer Veränderungen feststellen: „Vespertine" ist keineswegs die einfache Fortführung von „Homogenic", dem regulären Vorgänger, klammert man den Soundtrack „Selma Songs" einmal aus. Schien die Suche 1997 mit Songs wie „Hunter" oder „Immature" eher nach außen gerichtet, zeigt sich Björk im neuen Jahrtausend introvertiert und erwachsen. „I am simply suggesting that we go to a hidden place", schlägt sie beim Opener „Hidden Place", der Singleauskopplung, vor. Einer Aufforderung, der man nur zu gerne folgt, verheißen doch das Entdecken der Regeln, die an diesem geheimen Ort gelten, eine bittersüße Erfahrung, die mit dem Alltag nichts gemein hat. Seufzend wickelt sie einen ein, diese Stimme, und das nicht nur bei „Cocoon". Sie ist der Pfad, dem der Hörer folgen kann, eine eindeutige Zuordnung der Klangwelten, die „Vespertine" bestimmen, fällt hingegen schwer. Neben der für Björk typischen Mischung aus Elektronik und klassischen Elementen - neben zahlreichen Streichern ist auch die Harfenspielerin Zeena Parkins dabei - hört man immer wieder entfremdete Alltagsgeräusche, deren Ursprung unbestimmt bleibt. Auch wenn Björk auf diesem Album die Zusammenarbeit mit erprobten Partnern wie u.a. Mark Bell fortführt, behält sie die Oberhand - „Vespertine" trägt die Handschrift einer Frau, die nochmals reifer geworden ist, und dem Hörer immer besser einem Ausflug in die Poesie vermitteln kann. Das belegt nicht zuletzt ein Titel wie „Pagan Poetry" oder „Sun In My Mouth", das aus der Feder des amerikanischen Dichters E.E. Cummings stammt.

Leserbewertung: 10.0/12

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