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0 Autor: Patrick Großmann

Mark Lanegan - Field Songs

Field Songs
  • VÖ: 08.05.2001
  • Label: Beggars Banquet/Connected
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 100

Ein Mann auf dem Weg zu sich selbst: Seit dem Ende der Screaming Trees übt sich Sänger Mark Lanegan solo im hemmungslosen Ausleben seiner Liebe zu Folk und Blues.

Nachdem sich der erste Streich "I'll Take Care Of You" qua Cover-Versionen mit der Freilegung verschütteter Blues-Wurzeln beschäftigte, nähert sich Lanegan nun semi-akustisch dem großen Folk-Gefühl und Nick Cave'scher Tristesse. Auch Tom Waits zwinkert uns vom zugequalmten Tresen einer schummrigen Spelunke entgegen. Wiederum unterstützt wird er dabei u.a von Bassist Ben Shepherd (Ex-Soundgarden) und Gitarrist Mike Johnson (Ex-Dinosaur Jr.), Leuten mithin, die bis dato weniger mit Lagerfeuern, denn mit Noise und Gitarren-Dunst in Verbindung standen. Auch die Gastmusiker - etwa Ex-Gunner Duff McKagan als Drummer (!) bei "Fix" oder Chris Goss am Synth des verwehten "She Done Too Much" - sind eher skurriler Art. Um so mehr verblüfft die von Producer John Agnello konsequent forcierte traditionalistische Umsetzung, die nur hie und da durch eine Feedback-Schwade im Hintergrund, atmosphärische Geräusch-Schnipsel oder etwas Zerr-Gitarre durchbrochen wird. Als hätte der Mann nie anderes gemacht! Wer dem Album einige Hördurchläufe spendiert, kann sich dann vor Lieblingssongs kaum mehr retten: Das beschwipste "Don't Forget Me" etwa erinnert an die verblichenen Wüstensöhne Thin White Rope, "Pill Hill Serenade" dagegen ist ein einsamer, Hammond-gekrönter Streifzug durch die Nacht. Die hinreißend sich windende Schwelgerei "Kimiko's Dream House" hat Lanegan dereinst zusammen mit Jeffrey Lee Pierce (Gun Club) verfasst, und der bis auf die Knochen reduzierte "Resurrection Song" beweist, wie man lediglich mit Wanderklampfe, Stimme sowie einigen Piano-Tupfern sämtliche Nackenhaare in Aufregung versetzt. Was bei alledem stets unangreifbar bleibt, ist Lanegans volltönendes, warmes Organ sowie die immer präsente Hingabe, mit der er zu Werke geht. Ein schönes, herrlich unmodernistisches Album voller tiefblauer Melancholie. Ein Pamphlet wider die Hektik des Alltags. Just dim the lights and cry...

Leserbewertung: 10.7/12

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