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0 Autor: Alexandra Brandt

Nick Cave & The Bad Seeds - No More Shall We Part

No More Shall We Part

Nach dem psychotischen "Let Love In", den humoristisch geprägten "Murder Ballads" und der Beziehungs-Aufarbeitungsplatte "The Boatman’s Call" zeigt sich Nick Cave hier als ruhiger Erzähler.

Das zeigen bereits die ersten beiden Stücke "As I Sat Sadly By Her Side“ und "And No More Shall We Part". Nicht, dass sich damit eine neue Seite auftun würde: Langsame, elegische Songs waren seit jeher ein prägender Bestandteil des Cave’schen Repertoires, nie jedoch wurde das in einer Geschlossenheit präsentiert wie auf diesem Album - seinem zehnten (regulären), übrigens. Die Bad Seeds sind dabei ein wenig in den Hintergrund geraten; fast alle Stücke sind so angelegt, dass Cave sie allein am Klavier vortragen kann, ohne dass viel Wirkung verloren ginge. Lediglich das großartige "Fifteen Feet Of Pure White Snow" klingt wie ein typisches Nick Cave & The Bad Seeds-Stück, das auch gut auf "Let Love In" gepasst hätte. Ebenfalls herausragend ist "The Sorrowful Wife", das sich nach einem langsamen Einleitungspart plötzlich mit einer Vehemenz aufbäumt, die einem die Schuhe auszieht. Backing-Vocals von Kate und Anna McGarrigle sowie die von Warren Ellis gespielte, teilweise vielleicht ein bisschen sehr präsente Violine verleihen einem Song wie "Sweetheart Come" dann eher einen leicht folkigen Touch. Täuschen lassen darf man sich von der vordergründigen Ernsthaftigkeit und Melancholie jedoch nicht - alles halb so schlimm, behauptet zumindest der Sänger selbst. Und auch wenn gleich drei Songs - "Hallelujah", "God Is My House" und "Oh My Lord" - religiöse Bezüge nahelegen, handelt es sich hier noch lange nicht um eine Bibelplatte. Es werden eigentlich nur Geschichten erzählt, wenn auch welche, die weit weniger konstruiert und komisch wirken als bei den "Murder Ballads". Die erhabene Aura, die Nick Cave schon immer umgab, hat sich freilich nicht geändert: "No More Shall We Part" klingt feierlich, würdevoll, stark und inbrünstig. Aber eben auch verwundbar. Und insofern kann man diese Platte auch auf ganz verschiedene Arten hören: Als Liebeslieder, als dunkle Chansons, oder einfach nur als gekonntes Storytelling. Und diese ganz besondere Stimmung, die es nur auf Nick Cave-Platten gibt, hat noch immer keinen Millimeter an Reiz verloren. Also: Listen with Ehrfurcht, Baby.

Leserbewertung: 11.0/12

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