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Jack White - Entering Heaven Alive

Entering Heaven Alive
  • VÖ: 22.07.2022
  • Label: Third Man/Membran
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 353 - Schönheit der Ausgabe

Dreieinhalb Monate nach "Fear Of The Dawn" veröffentlicht Jack White ein weiteres Soloalbum. Es ist sanfter, akustischer und eher den Wurzeln des Blues verpflichtet als progressiv.

Als "Boarding House Reach" im März 2018 erscheint, ist die Welt noch eine andere. Auf seinem dritten Album dekonstruiert Jack White den Blues mit allen erdenklichen Mitteln, bemüht sich, das Roots-Erbe, zu dessen wichtigstem Verwalter er geworden ist, auf ein neues Level zu hieven, die altmodischen Strukturen mit progressiven Strömungen zu bereichern. Aber wie jeder andere Mensch und Künstler, muss sich auch White während der Pandemie zurückziehen. Vielleicht ist das der Grund, warum er 2022 mit gleich zwei Alben in kurzem Abstand auftrumpft. Vielleicht hat er sich auch von jüngeren Kollegen wie Ty Segall und King Gizzard And The Lizard Wizard davon beflügeln lassen, wie viel Output in kürzester Zeit möglich ist. Führt White auf dem Anfang April erschienenen "Fear Of The Dawn" die modernere Richtung von "Boarding House Reach fort" - also: elektronische Drum-Patterns, Synthesizer, verfremdeter Gesang, ein Rap-Part -, war schon früh abzusehen, dass "Entering Heaven Alive" zurückgenommener ausfallen dürfte. Angeteast hat White die beiden Alben mit der Doppel-Single von "Taking Me Back". Die elektrifizierte Version eröffnet "Fear Of The Dawn", die Gently-Version beschließt "Entering Heaven Alive" - und kokettiert final mit dem Feedback-Intro, das wiederum "Fear Of The Dawn" einläutet. Einmal mehr wird deutlich, wie geschmackvoll und behutsam sich White um das Erbe der Roots-Musik kümmert, diesmal ganz ohne laute Rocksongs. Mag sein, dass es in "I've Got You Surrounded (With My Love)" quietschende Feedback-Schleifen gibt, die Grundierung des Stücks ist aber eher Piano-Jazz. Oder der Mittelteil von "All Along The Way", der urige Reggae-Anleihen entwickelt und inklusive Orgel dann ein wenig lauter, verstärkter daherkommt. Doch Whites schönes, neues, blaues, Custom-E-Gitarrenmodell spielt auf dem Album kaum eine Rolle. "Madman From Manhattan" etwa hat eher einen Bossa-Nova-Anstrich, erinnert an Becks "Tropicalia". Im Mittelpunkt steht dabei immer eine akustische Instrumentierung und häufig das Piano oder gar Streicher wie in "Help Me Along". Entering Heaven Alive schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Es ist keine Platte, die sich mit breiten Hits aufdrängt. Die Schönheit liegt eher im Detail, in den geschmackvollen Arrangements - und in der Tatsache, dass White sein Herz öffnet, besonders schön nachzuhören im intimen, ungemein direkt aufgenommenen "Love Is Selfish".

Leserbewertung: 9.0/12

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