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0 Autor: Carsten Sandkämper

Porcupine Tree - Closure/Continuation

Closure/Continuation
  • VÖ: 24.06.2022
  • Label: Music For Nations/Sony
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 352 - Schönheit der Ausgabe

Lange bevor die ersten Töne des Albums da sind, gibt sich die Band alle Mühe, das Narrativ um ihr Comeback zu kontrollieren. Es beginnt und endet beim Titel: Entweder besiegelt dieses Album das endgültige Ende von Porcupine Tree, oder...

Dabei ist es ein Unterfangen für Menschen mit zu viel Freizeit, den verbliebenen drei Mitgliedern der vielleicht wichtigsten Prog-Metal-Band der 90er- und 00er-Jahre zwielichtige Motive anzudichten, warum sie knapp 13 Jahre nach dem bislang letzten gemeinsamen Album "The Incident" erneut miteinander ins Studio gegangen sind. Derart akademische Überlegungen werden hingegen von "Closure/Continuation" ganz sanft pulverisiert. Musikalisch scheint es keinerlei Bruch mit der Vergangenheit zu geben. Die Architektur der neuen Songs unterscheidet sich in nichts von den großartigsten Momenten auf dem Konzeptalbum "The Incident" oder dem Vorgänger "Fear Of A Blank Planet". Die clevere Komposition der Platte lässt zum anderen an vielen Stellen Platz für die Protagonisten, und zwar mehr als jemals zuvor. Am leichtesten füllt diesen Platz Gavin Harrison, der inzwischen eine sehr einsame Spitzenposition als Schlagzeuger einnimmt. Die Art, wie er in "Herd Culling", "Rats Return" oder "Harridan" mit seinen messerscharfen Fills den Ton angibt, verschlägt einem immer wieder die Sprache. Präsent wie nie behauptet zudem Keyboarder Richard Barbieri seinen Platz als Klangmaler, oft in "Zwischenräumen" oder im Hintergrund, angenehm pointiert jedoch im von ihm geschriebenen "Walk The Plank", das sich gerade wegen seiner Andersartigkeit als geheimes Highlight des Albums entpuppt. An anderer Stelle erschafft Wilson mit "Dignity" einen würdigen Nachfolger des Klassikers "Arriving Somewhere But Not Here", mit Echos seines epochalen "Hand.Cannot.Erase". Die Platte endet mit dem zehnminütigen "Chimera's Wreck", das sich seltsam skizzenhaft und reduziert aufbaut, um ohne greifbaren Höhepunkt zu verstummen. Das ist fast schon zu viel Symbolik. Natürlich prallen die übergroßen Erwartungen an das Album frontal mit einer Realität zusammen, in der Porcupine Tree seit 2012 an Stücken arbeiten, die schlicht gesagt jetzt erst fertig wurden. Es sind also keine von neuem Geist beseelten Ideen einer von Grund auf neu geordneten Band, sondern die Weiterführung von Skizzen, die bereits ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Gerade deshalb ist "Closure/Continuation" ein nicht nur sehr gutes, sondern wichtiges Statement, denn es versucht weder, ein Überalbum zu sein, noch die definitive Version einer Band zu präsentieren. Vielmehr existiert es in einem Zwischenstadium, dem beides folgen kann: Abschluss oder Fortsetzung.

Leserbewertung: 8.5/12

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