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0 Autor: Christian Kruse

Glassjaw - Everything You Ever Wanted To Know About Silence

Everything You Ever Wanted To Know About Silence
  • VÖ: 31.07.2000
  • Label: Roadrunner/Connected
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 89

Wer diese Band vorschnell als Deftones-Kopie abtut, macht es sich zu leicht und lässt eine tolle Platte nicht an sich heran.


Es könnte alles so einfach sein. Glassjaw aus New Jersey bringen ihr Debüt auf dem führenden New Metal-Label heraus, lassen sich von Ross Robinson, der die Band der Historie nach auch entdeckt hat, produzieren, und haben einen Sänger, der manchmal ganz schön leidet und dann auch an Chino Moreno erinnert. Schublade auf: Deftones. Schublade zu? Besser nicht. Noch mal nachgedacht, der Platte drei weitere Chancen gegeben, und schon ist man bei einer modernen Hardcore-Band, die sich die Freiheit nimmt, extremen Emotionen aller Art ihren Raum zu lassen und ebenso musikalisch nicht fassbar scheint. Und: Probleme haben die Jungs definitiv. Selten ist mir eine Platte untergekommen, die mich so runterziehen kann. Dabei läßt man hier raus, was andere nur therapeutisch regeln können. Und zwar in allen Varianten. Wo gerade noch geschrien und gemetzelt wurde, wie es alte und gute NJ-Tradition (The Dillinger Escape Plan, Nora) ist, steht im nächsten Moment leise Verzweiflung, die in ganz seltenen Momenten sogar Pat Dubars letzte Band Mind Funk in meine Erinnerung zurückruft. Könnte am Timbre des Sängers liegen, der übrigens nicht bloß so tut, als ob es ihm schlecht ginge. Daryl Palumbo kennt seine Probleme mit dieser einen Frau genau. Und singt darüber, ohne zu beschönigen, doch damit nicht genug: Eine unheilbare, progressive Darmerkrankung mit wohl fatalem Ende ist nun wirklich kein Zuckerschlecken, wird hier aber in allen Einzelheiten verarbeitet. Das hat weder mit Trendreiterei (physische und psychische Defekte haben ja momentan Hochkonjunktur - siehe Korn oder die durchaus großartigen, aber nun mal unbestritten alleine Entertainment-Ansprüchen genügenden Slipknot) noch mit übertriebenem Mitteilungsbedürfnis zu tun. Musik macht man für sich selbst. Texte schreibt man für sich selbst. Wer hier von Fake redet, hat etwas am Musizieren und den Beweggründen dafür nicht verstanden.

Leserbewertung: 9.7/12

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