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Marilyn Manson - We Are Chaos

We Are Chaos

Die gute Nachricht: Marilyn Manson wagt auf seinem elften Studioalbum endlich nochmal was. Die schlechte: Es ist Country.

Lange schrieb Twiggy Ramirez seinem Ex-Bandkollegen Manson die nötigen Hits, zuletzt gelang genau das Filmscore-Komponist Tyler Bates nicht mehr. Nun arbeitet Manson der Countrymusiker Shooter Jennings zu, und man hört es "We Are Chaos" an: Durch den Industrial-Gothrock weht an diversen Stellen ein Western-Vibe, viele Songs gebärden sich als verletzliche Halbballaden. Nur der Opener "Red Black And Blue" fällt noch als einer von Mansons giftig-aggressiven Signature-Stampfern aus der Reihe, "Infinite Darkness" krönt mit dem düsteren Ausrasten lediglich seinen synthetischen Industrial-Groove mit Flüstergesang. Ansonsten herrscht öfter waidwunde Südstaaten-Melancholie: Zwar erinnert sich der "God Of Fuck" für den Titelsong stimmig an sein Vorbild David Bowie, stolpert im Refrain aber auf dem schmalen Grat zwischen süffiger Melodie und Metal-Schlager. Die Klavier-Ballade "Paint You With My" Love trägt etwas Beatles-Staub in den abgedunkelten Saloon, macht daraus aber zu wenig. In "Half-Way One Step Forward" dagegen gehen Klavierlauf, retrofuturistische Synthies, Country-Gitarren-Heuler und Mansons Erzählsingen plötzlich auf. Und auch "Broken Needle" – mit Akustikgitarre und Lap Steel Guitar am Wüstenlagerfeuer angekommen – steigert sich in ein bombastisches Finale hinein, in dem Mansons liebeskranke Todeslyrik mal emotionale Wucht entfaltet.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 9.0/12

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