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Steven Wilson - The Future Bites

The Future Bites

Vier-Ohren-Test

Steven Wilson setzt seinen Egotrip Richtung Pop-Establishment fort. Wer kann es ihm verübeln? "The Future Bites" ist eine Schärfung des Profils, das sich der Brite nach seiner Prog-Phase gegeben hat. Die Kreativen, mit denen er sich heute umgibt, atmen wenige Rockismen, und in der Musik auf "The Future Bites" spielt der Produzent Wilson eine viel größere Rolle als der "Prog-Erneuerer" oder Gitarrist. Fans seines bisherigen Werks waren mit seiner Abba-Hommage "Permanating" auf "To The Bone" bereits überfordert - und müssen jetzt ganz stark sein. "12 Things I Forgot" heißt das Stück, das dem Grundton von "The Future Bites" die Krone aufsetzt, treffen hier doch Alan Parsons Project auf Keane. Wilson buchstabiert Pop mit diesem Album in riesigen Lettern, lässt seinen inneren Depeche Mode freien Lauf ("King Ghost"), fühlt sich Disco ("Eminent Sleaze") und lässt Co-Produzent David Kosten (Bat For Lashes, Everything Everything) Ecken und Kanten abschleifen. Dass die Platte sich textlich ums Leben im digitalen Zeitalter dreht, tritt hinter Größe und Perfektion des Produkts in den Hintergrund. Denn wahr ist wohl, dass Wilson nach "Hand.Cannot.Erase" alles, was er mit dem Genre Progrock anstellen wollte, abgehakt hatte. Als Fan von Kate Bush und Diana Ross ist eine Platte wie diese da nur folgerichtig.
8/12 Carsten Sandkämper

Lahmes Elektro-Pop-Geseier, dessen konsumkritische bis politische Botschaft in Politur ersäuft. Steven Wilson schaut Nachrichten. Er ist woke und smart. Und er ist Musiker. Also friemelt er smart und woke Politisches in Songs. Zuvor war Wilson Angestellter im Rockbusiness, jetzt ist er eklektischer Tausendsassa mit Desinteresse an Gitarren und Mut zum Pop. So poppig wie auf "The Future Bites" war er noch nie. Das ist kein Gütesiegel, denn im Namen von Pop entsteht ohne Unterlass gehörig viel Mist. Wilson reiht sich mit seinen neun neuen Songs da ein. Einer davon ist gut: "Eminent Sleaze" pendelt zwischen Pink Floyd, Gospel, Marvin-Gaye-Streichersoul und erinnert etwas an die vielgepriesenen Sault. Das Drumherum ist Schmierlappigkeit in Perfektion. Das Intro "Unself" verhallt banal im Äther. "Self" wäre in den 80ern vielleicht visionär gewesen. In "King Ghost" klingt Wilson, als hätte er vorm Rappen Schlafmittel genommen, für den Rest würde sich Moby schämen. "12 Things I Forgot" ist Akustikgitarren-Schalala, ziemlich deutlich von "If You Tolerate This" der Manic Street Preachers abgekupfert und mit Smokie gekreuzt. Aber hey: Die fast zehnminütige Disco-Nichtigkeit "Personal Shopper" lies zuvor Schlimmstes befürchten - da konnte selbst Sir Elton John nicht helfen.
4/12 Jan Schwarzkamp

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Kommentare (1)

Avatar von morse morse 16.03.2021 | 14:20

Ich finde die Bewertungs-Sprache von Jan zutiefst fragwürdig!
Man kann natürlich die neue Musik von Steven Wilson bestimmt als „gefällt mir nicht“ empfinden, alles ok! Ich mochte Porcupine Tree auch sehr!

Aber die Art wie Jan schreibt, erinnert mich stark an die verächtlichen Wut-Aussagen eines Trumps!

Finde diese unterste-Schublade-Sprache einem Qualitäts-Produkt - als das ich Visions schätze und seit über 20 Jahren abonniert habe - unangemessen!

Ich denke Jan sollte hier in sich gehen

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