Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: André Bosse

Kele Okereke - 2042

2042

2042 bietet soziopolitische Electronica-Songs vom Bloc-Party-Sänger.

Kele Okereke ist weiterhin ein Musiker, der seinen Sound sucht. Seine Solosachen pendelten zwischen Dance und Indie, sein jüngstes Album "Fatherland" klang überraschend reflektiert und akustisch. Zwischendrin reanimierte er Bloc Party, doch der alte Bandname gab Okereke keine Sicherheit, dafür klangen die Songs zu wackelig. "2042" ist nun ein großer Schritt nach vorne – und das ausgerechnet in einem Klima der großen Unsicherheit. Die Welt taumelt, und wer gehofft hatte, der Rassismus verrotte längst auf dem Friedhof der Geschichte, täuscht sich: Nicht das Ende des wirtschaftlichen Wachstums sollte uns Sorge bereiten, sondern das Ende des zivilisatorischen Fortschritts. Okereke hat sein viertes Album nach dem Jahr 2042 benannt, laut Demografen das erste, in dem die Minderheiten in den USA zur Mehrheit werden. Eine Entwicklung, die Okereke Hoffnung macht, aber auch mit Sorge erfüllt, denn wie werden die Weißen bis dahin mit dem Wandel umgehen? In den Songs schaut Kele auf seine eigene Kultur, fragt sich in "Jungle Bunny", wie Schwarze auf Reichtum reagieren sollten, widmet Colin Kaepernick einen Song, jenem Footballspieler, der sich geweigert hat, sich bei der US-Hymne zu erheben. Das düstere "Let England Burn" analysiert die Demokratiedekadenz seines Geburtslandes. Doch "2042" bietet auch ein paar starke helle Momente. "Ceiling Games" ist ein eleganter digitaler Bossanova, "Ocean View" sehnsüchtig-maritimer Dreampop im Walzertakt, "Catching Feelings" toller Pop zwischen Neo-R'n'B und New Romantic. Enttäuscht wird hier nur, wer allein auf die Dynamik der alten Bloc Party hofft.

Bewertung: 7/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.