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0 Autor: Christian Steinbrink

Morrissey - California Son

California Son

Um die negativen Schlagzeilen nicht erneut zu befeuern und trotzdem neue Musik veröffentlichen zu können, bedient sich Morrissey für sein zwölftes Album erstmals fremder Stücke. Eine kluge Entscheidung.

Es ist wahrlich keine dumme Idee von Morrissey, nach seinen wiederholt kontroversen bis skandalösen Äußerungen in der jüngeren Vergangenheit für sein neues Album mit Songs zu arbeiten, für die er die Texte nicht selbst geschrieben hat. Zudem bietet ihm das Konzept des Coveralbums die Vorteile, sein profundes Wissen über 40 bis 50 Jahre alten Pop sowie sein überragendes Stilempfinden ausspielen zu können. Außerdem schaffte er es, Gäste wie Green Days Billie Joe Armstrong, Grizzly Bears Ed Droste oder Petra Haden für das Projekt zu gewinnen, die ihn – gewollt oder ungewollt – auch politisch ein Stück weit rehabilitieren. Stilistisch sind seine zwölf Neuinterpretationen überraschenderweise genauso vielseitig wie die Songauswahl selbst: Stücke von Joni Mitchell, Phil Ochs, Carly Simon oder Tim Hardin arrangiert der angenommene Sohn Kaliforniens mal hymnisch poppig, mal dramatisch theatralisch, aber immer vollmundig und mit einer sachten Drift in Richtung unkonventioneller Klänge. Dabei gelingt es ihm zwar nicht immer, die Grenze zur Käsigkeit zu meiden, Bob Dylans "Only A Pawn In Their Game" bekommt aus seinem Mund sogar eine recht unangenehme Note. Aber mit Gary Pucketts "Lady Willpower" als dramaturgischem Höhepunkt scheinen Songs und Arrangements oft genug so perfekt zu den klassischen Morrissey-Qualitäten zu passen, dass selbst kritischen Kommentatoren nichts anderes bleibt, als den Hut zu ziehen. So stilvoll kriegen das die wenigsten hin.

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