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0 Autor: Martin Burger

Better Oblivion Community Center - Better Oblivion Community Center

Better Oblivion Community Center
  • VÖ: 22.02.2019
  • Label: Dead Oceans/Cargo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 312 - Schönheit der Ausgabe

Phoebe Bridgers’ und Conor Obersts erste Zusammenarbeit auf Albumlänge führt den Erfolg der jungen Songwriterin ungebrochen fort und beschert Mister Bright Eyes nach Jahren voller halbgarer Veröffentlichungen ein unerwartetes Highlight.

Schon vor seinem Gastbeitrag auf "Would You Rather" von ihrem Debüt "Stranger In The Alps" (2017) war Bridgers Oberst wegen eines kurzfristig anberaumten Konzerts in Los Angeles ein Begriff, seine Bright Eyes gehörten unüberhörbar zu ihrer musikalischen Sozialisation: Bridgers’ Lieblingssong aus Obersts „Wunderkind“-Phase ist die Rarität "Bad Blood". Er erliegt ihrem kessen Charme und ihrem Confessional-Songwriting, sie begleitet ihn auf Tour, er zieht keine ewige Schnute mehr, sondert lächelt wahrscheinlich zum ersten Mal überhaupt auf Pressefotos. Ihr Koop-Album, das wie die Band heißt, klingt so, wie er die Idee hinter dem Namen zusammenfasst: „Es stellt graue Aussichten einem Gemeinschaftsgefühl gegenüber“. Das Konzept um ein dystopisches Wellness-Center, genau der Humor der Social-Media-Meisterin Bridgers, kann man allerdings getrost beiseiteschieben, hier geht es um die Songs. Die Erinnerung an ein Open-Air-Konzert verwandelt sich in "Chesapeake" in eine nachtschlafende Meditation übers Depressiv-Werden aufgrund von melancholischer Musik, "Didn’t Know What I Was In For" ist aus der Sicht eines Sanatoriumsinsassen geschrieben, und so weiter. Im Gegensatz zu Obersts Supergroup Monsters Of Folk schrieb man bei Better Oblivion Community Center gleichberechtigt an den Texten und der Musik, sofern nicht noch wie beim superben "Big Black Heart" Freunde beteiligt waren, namentlich Ben Walsh und Brian McIlwee von Tigers Jaw. Der soziale Gedanke kam aber nicht nur beim Schreiben zum Tragen, auch während der geheimen Aufnahmen rotierte die Drehtür des Studios: Die Gitarrensolos in "Dylan Thomas" und "Sleepwalkin’" hat Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs beigesteuert, Schlagzeug spielte Carla Azar von Autolux. Trotz alldem, und das gehört unterstrichen, ist "Better Oblivion Community Center" ein Album von Oberst und Bridgers. Die beiden singen fast immer unisono, weil sie klassische Duett-Muster umgehen wollten. Das resultiert in Songs mit überraschend kraftvollen Momenten, wie dem Herzstück des Albums "My City", wo beide in eine entspannte Melodie Ausbrüche einbauen, die man so zumindest von ihr noch nicht gehört hat. Oberst wirkt mit seinen besten Aufnahmen seit "The People's Key" gelöst wie nie, Bridgers setzt nach ihrer eigenen hinreißenden Platte und der Boygenius-EP mit Lucy Dacus und Julien Baker ein weiteres Ausrufezeichen. Wiederholung erwünscht.

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