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0 Autor: Martin Iordanidis

Crippled Black Phoenix - Great Escape

Great Escape
  • VÖ: 14.09.2018
  • Label: Season Of Mist/Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 307

Offen über Depression zu sprechen, beweist Mut. Andererseits braucht Justin Greaves lange, um musikalisch zur Sache zu kommen. Die Stärken von "Great Escape" übersieht man dabei fast.

Gerade im wichtigen Auftakt eines Albums haben sich riskante Längen eingeschlichen: "You Brought It Up Yourselves" verplempert Zeit mit gesampelter Sozialkritik. Wer braucht heute noch vierminütige Intros? Crippled Black Phonix eigentlich nicht mehr. Sie stehen für das geschwärzte Faksimile von Pink Floyd, und deren musikalisches Vermächtnis wahren die Briten mit warmen Fuzz- Gitarren und Chören in "To You I Give" eindeutig. "Unicivil War (Pt. 1)" führt in das synthetische Arsenal des derzeit siebenköpfigen Prog-Kollektivs ein. Wenn Madman nicht so bei den sinisteren Alben von Depeche Mode abgeschaut hätte, müssten wir Crippled Black Phoenix zu dieser halbelektronischen Geisterbahn gratulieren. Für "Times, They Are Raging" schaltet das Album in den gemächlichen Panorama-Modus zurück, obwohl genau jetzt mehr Drive richtig gewesen wäre. "Nebulas" greift zum Glück nur kurz in die Sprachfetzen-Grabbelkiste und nervt danach mit dem zwergenhaften Gesang von Belinda Kordic. In "Las Diabolicas" kommt endlich mehr Dramatik ins Spiel, die die Band mit einem perkussiven Double-Bass-Teppich, leiernder Orgel und Harmonizer-Gesang aufpumpt – so hätten Air auf "Moon Safari" als Doom-Metal-Act geklungen. Den finalen Titelsong splitten Crippled Black Phoenix frei nach Prog-Kochbuch in zwei Teile. Bei soviel Platz kann die Band noch einmal unter Beweis stellen, warum sie das große Revier zwischen britischem 70er-Prog und den Darkpop-80ern ähnlich stilsicher beherrscht wie Archive.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 10.0/12

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