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0 Autor: Florian Zandt

Hysterese - Hysterese (III)

Hysterese (III)

Es ist ein Kreuz mit dem umgedrehten Kreuz im Bandnamen von Hysterese: Wer das für bare Münze nimmt, wird vom dritten Album der Tübinger Moll-Punks vermutlich enttäuscht. Hinter der Fassade verbirgt sich ein blitzsauberer Feldversuch, wie man Punk aus Deutschland ohne Anbiederung internationalisiert.

Obwohl die Band als DIY-Bastion gilt und auch ihr neues Label This Charming Man wenig mit Fuffies im Club zu tun hat, klingt das Quartett erst auf ihrem selbstbenannten Album so, als hätte sie sich endlich richtig gefunden. Der Sound ist aufgeräumt und bietet dem Gesang der Gitarristen Helen Runge und Moritz Kehle Raum, um ihre Harmonien, die den molllastigen Indie-Power-Pop-Punk ausmachen, richtig glänzen zu lassen. Das klingt auf den ersten Höreindruck nach den Wipers, dampfenden Gullis im Großstadtdschungel, aber auch nach kaputten Autobahnen, die man unvernünftigerweise deutlich zu schnell entlangbrettert. Insgesamt also nach viel Druck und einer gehörigen Portion Schmutz, mit der die poppige Punk-Formel aufgebrochen wird. Den Schmutz hört man etwa im nach vorne polternden "Cry Wolf". Darin schlägt Runge in der düsteren Strophe Saltos, während Kehle mit gurgelndem Bass dagegen hält, und die Instrumentierung mit ihren 16tel-Hihats und sehnsüchtigen Gitarren ähnlich wie in "Shame" an den dunklen Pop-Punk von Crusades erinnert. In "The Fighters" hingegen klingt der Chorus-gesättigte Thinking-Man’s-Indierock von Bob Mould an, während "Nostalgia" – vermutlich selbstironisch – Kim Wildes "Kids In America" zitiert. Kurz: "Hysterese" ist eine rundum gelungene Wundertüte, bei der man sich nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen darf.

Bewertung: 9/12

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