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0 Autor: Sebastian Stöwer

Lucy Dacus - Historian

Historian

Feinfühlige Skizzen einer aufgewühlten Gefühlswelt: Lucy Dacusʼ Beobachtungen sind vor allem nach innen gerichtet und werden so zum kreativen Fundus für Coming-of-Age-Tattoos.

„You got a 9 to 5, so I’ll take the night shift“ – vier Minuten lässt sich Dacus Zeit, um "Night Shift", eine trotzige Hymne für Frischgetrennte, zum ekstatischen Höhepunkt zu steigern. Dann lodert eine schmutzig verzerrte, aber herrlich dichte E-Gitarre auf und trägt den wunderbaren Satz durch ein warmes Lo-fi-Gewitter. Dacus bündelt beinahe jeden Song in einer zentralen Aussage, die sie emphatisch wiederholt und ihr damit noch mehr Gewicht verleiht. Aphorismen, die man sich per Klebezettel an den Kühlschrank heften oder gleich unter die Haut stechen lassen will. Dacus variiert dabei zwischen abgeklärten Lebensweisheiten („I'm just as good as anybody/ I'm just as bad as anybody“) und den Ängsten und der Orientierungslosigkeit ihrer Generation („Everybody else looks like they figured it out“). In "Nonbeliever" erzählt sie vom Auszug eines fiktiven Gegenübers – raus aus dem Elternhaus, raus aus der Kleinstadt. Nur was es dort draußen Erstrebenswertes zu entdecken gibt, das erzählt einem niemand. „What happened to the charm of a small town“, fragt das lyrische Ich, ohne eine Antwort zu haben. Die schlagfertige Lyrik ist selten vorhersehbar, dafür umso direkter. In "Pillar Of Truth" arbeitet Dacus den beneidenswert friedlichen Tod ihrer Großmutter auf, mit ihrem eigenen ist sie schon seit dem vorangegangenen "Next Of Kin" im Reinen: „I am at peace with my death/ I can go back to bed“. Für eine 22-Jährige ist das erstaunlich abgeklärt. Aber auch erstaunlich gut.

Bewertung: 9/12

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