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0 Autor: Martin Burger

Unknown Mortal Orchestra - Sex & Food

Sex & Food

Der Smiling Alligator ist zurück. Auf seiner Studio-Weltreise führte Ruban Nielson mit Argusaugen Tagebuch. Erste Erkenntnis: Die lebenden Toten müssen wieder auf Erden wandeln.

Damit meint Nielson die verschiedenen Auswüchse der Rockmusik. Ein Begriff, dem zunehmend nachgesagt wird, er fasse eine leblose musikalische Masse zusammen. Humbug, und zudem ein echtes First-World-Problem. Wie der Psych-Funk des Unknown Mortal Orchestra ausfällt, wenn sein Erfinder ihm ordentlich Verzerrung einimpft, kann gleich zu Anfang geprüft werden. "Major League Chemicals" knufft sein Intro gar nicht mal sperrig zur Seite und auch "American Guilt" schickt ein Jamiroquai-meets-QOTSA-Riff aufs Feld. Aufgenommen in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi während der Regenzeit und in Mexico City während eines Erdbebens, versammelt der Song so viele Eindrücke, dass andere gleich ein halbes Album daraus machen würden. „Viva la Mexico!“ ruft Nielsons effektbeladene Stimme, weil er auf den rumpelnden Straßen des Molochs einen Einheimischen die Worte skandieren hörte. Weitere Arbeiten fanden in Seoul, Reykjavik, Auckland und seinem Wohnsitz Portland statt, denn Nielson hatte unterwegs noch mehr Erkenntnisse. Zwei: Der Softie-Funk vom Vorgänger "Multi-Love" gilt weiterhin, weswegen "Hunnybee" und "The Internet Of Love (That Way)" großartigerweise gleich doppelt darauf verweisen. Drei: Alle Power bewirkt wenig ohne das richtige Gegengewicht. "This Doomsday", eine seiner bisher größten Sternstunden, weist balladesk den Weg. Das Ende der Welt, sagt sie, wurde schon oft ausgerufen. Und sollte es wirklich irgendwann kommen, wird es lautlos sein und ohne Menschen stattfinden. Nielson könnte die Zukunft gesehen haben. Was für ein Album.

Bewertung: 9/12

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