Zur mobilen Seite wechseln

Judas Priest - Firepower

Firepower

Das schafft nur eine echte Metal-Ikone: Judas Priest veröffentlichen nach fast 50 Jahren (!) Bandkarriere noch eine Platte, die statt Wohlwollen aufrichtige Begeisterung auslöst.

Dabei schien der Weg mit "Redeemer Of Souls" (2014) vorgezeichnet: Der damals 34-jährige Richie Faulkner hatte Gitarristen-Legende K. K. Downing beerbt und Judas Priest einen Adrenalinstoß verpasst. Das reichte für ein engagiertes Spätwerk-Album, für eine würdevolle Rückkehr zur Form nach dem schwachen "Nostradamus", aber nicht für viel mehr – weil Sänger Rob Halford öfter die Luft und der Platte auf Dauer die Idee fehlte. Heute ist Halford 66 Jahre alt, Gitarrist Glenn Tipton 69, auf "Firepower" hört man davon: nichts. Während der Vorgänger die souverän reproduzierten Trademarks der Band schon mal mit einem Hauch Selbstironie verkaufte, um kleine Schwächen zu kaschieren, packt einen das 18. Studioalbum in jeder Sekunde mit der puren Lust am Heavy Metal: Gleich zu Beginn beschwört der Titeltrack mit Double-Bass, Heldenpathos und Gitarrensolo-Exzess die Energie von "Painkiller". Dass "Lightning Strike" sich an "Hell Patrol" bedient, "Necromancer" bei "Metal Meltdown" klaut und sich die Band überhaupt großzügig selbst kopiert: geschenkt. Denn Judas Priest verwalten hier nicht ihre Legende, sie klingen hungrig, alles stampft und drückt mächtig, ein makelloser Halford und die Gitarristen gieren um die Wette nach der Hymne. So sehr, dass sie sich sogar noch neue Nuancen abringen: Wann haben Judas Priest je so klassisch und überlebensgroß zugleich, so mitreißend und melodisch geklungen wie in "No Surrender"? Eine Schande, dass Glenn Tiptons Parkinson-Erkrankung eine weitere solche Platte erschweren dürfte.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 12.0/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.